Einleitung
Die deutsche Thermenlandschaft befindet sich in einem kontinuierlichen Modernisierungsprozess. Zahlreiche Großprojekte zur Generalsanierung und Erweiterung von Thermalbädern und Wellnessoasen sind in Planung oder bereits in der Umsetzung. Diese Investitionen zielen darauf ab, die bauliche und technische Substanz zu sichern, Energieeffizienz zu steigern und den Gästekomfort auf ein zeitgemäßes Niveau zu heben. Die vorliegenden Informationen aus verschiedenen Quellen beleuchten exemplarische Projekte, die von der Sanierung von Thermalwasserbohrungen bis hin zu komplexen Umbaumaßnahmen bei laufendem Betrieb reichen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den finanziellen Dimensionen, den technischen Herausforderungen sowie den Fördermechanismen, die solche Vorhaben ermöglichen.
Im Folgenden werden ausgewählte Projekte dargestellt, um die Bandbreite der notwendigen Maßnahmen und die strategische Bedeutung von Erhalt und Modernisierung für die Betreiber und die jeweiligen Standorte aufzuzeigen.
Die Chiemgau Therme in Bad Endorf: Infrastruktur im Fokus
Die Chiemgau Therme in Bad Endorf hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Maßnahmen zur Attraktivierung der Anlage durchgeführt. Zwischen 2016 und 2019 wurde das Hauptgebäude saniert und um neue Ruhebereiche, Bade- und Saunaflächen erweitert. Ein entscheidender Aspekt dieser Bauphase war die Umsetzung bei laufendem Betrieb, was eine komplexe Logistik und Organisation erforderte, um wirtschaftliche Einbußen zu minimieren und die kontinuierliche Nutzung der Anlage für die Gäste sicherzustellen. Diese Vorgehensweise demonstriert eine professionelle Balance zwischen Modernisierung und Gästebetreuung.
Aktuell liegt der Schwerpunkt auf der technischen Infrastruktur. Ein laufendes Großprojekt betrifft die Sanierung der Thermalwasserbohrung, die für die Funktion der Therme von entscheidender Bedeutung ist. Die Erschließung und Modernisierung der Thermalquelle erfordert erheblichen logistischen Aufwand. Ab September wurde ein 40 Meter hoher Bohrturm aufgestellt, der die technischen Geräte für die Tiefbohrungen trägt. Vorbereitende Maßnahmen umfassten unter anderem die Verbreiterung der Zufahrtsstraße zur Baustelle, um den Transport schwerer Baugeräte und Materialien zu ermöglichen.
Da die Bohrarbeiten mit erheblicher Lärmbelastung verbunden sind, wurden Schallschutzmaßnahmen als wesentlicher Bestandteil der Planung berücksichtigt. Konkret ist der Aufbau einer Schallschutzwand geplant, um die Belästigung für Anwohner zu minimieren. Die Bohrarbeiten sollen nach aktuellen Planungen noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden. Das gesamte Projekt, das vermutlich auch die Verbindung der neuen Quelle mit der Therme und die Modernisierung der dazugehörigen Technik umfasst, ist bis Herbst 2026 geplant. Diese Zeitvorgabe unterstreicht die Komplexität und den Umfang der geplanten technischen Infrastrukturmaßnahmen.
Die Franken Therme in Bad Windsheim: Umbau bei laufendem Betrieb
Die Franken Therme in Bad Windsheim durchlief eine umfassende Modernisierung, die am 16. Dezember 2005 nach 16 Monaten Bauzeit mit einer Thermalbadelandschaft von 18.500 Quadratmetern eingeweiht wurde. Die Investitionen beliefen sich auf über 20 Millionen Euro plus Folgeinvestitionen. Die jüngste Erweiterung verlief trotz der Corona-Krise planmäßig, wobei die offizielle Einweihung aufgrund von Starkregenereignissen und einer Hochwasser-Katastrophe auf den 19. Oktober 2021 verschoben wurde. Diese Verzögerungen verdeutlichen, dass externe Wetterereignisse auch bei professioneller Planung einen erheblichen Einfluss auf den Projektablauf haben können.
Die Arbeiten wurden unter Berücksichtigung des laufenden Betriebs ausgeführt. Architekt Josef Krautloher war von Beginn an an der Planung beteiligt, und der Zweckverband Kurzentrum Bad Windsheim fungierte als Bauherr. Die Modernisierung umfasste die Realisierung neuer Solebecken, Zugänge und Umkleiden. Die Investitionssumme für diese Maßnahmen lag bei etwa 9,6 bis elf Millionen Euro, wobei eine Förderung des Freistaats Bayern in Höhe von vier Millionen Euro die Umsetzung unterstützte. Seit der Wiedereröffnung verzeichnet die Therme Rekordbesucherzahlen von jährlich etwa 450.000 Besuchern.
RupertusTherme Bad Reichenhall: Geplante Substanzsanierung
Nach 20 Jahren Betrieb startet die RupertusTherme im Sommer 2025 eine umfassende Substanzsanierung. Ziel ist es, die bauliche und technische Qualität der Anlage für die nächsten Jahrzehnte zu sichern, Abläufe zu optimieren und die Energieeffizienz zu steigern. Im Mittelpunkt der ersten Sanierungsmaßnahme steht der alte Teil des AlpenSole-Außenbeckens, das voraussichtlich bis Ende Dezember 2025 geschlossen bleibt. Die Sanierung betrifft ausschließlich die Gebäudesubstanz und die Badewassertechnik, also Bereiche, die für Gäste nicht direkt sichtbar sind.
Um die Beeinträchtigungen für die Gäste zu kompensieren, hat der Betreiber ein Konzept mit reduzierten Eintrittspreisen (Preisnachlass von 3 Euro auf alle regulären Eintrittstarife) und einer BonusCard entwickelt, bei der der sechste Eintritt kostenlos ist. Diese Maßnahmen zeigen, wie Betreiber auf laufende Sanierungen reagieren, um die Kundenbindung zu erhalten.
Körse-Therme in Kirschau: Sanierung mit umfangreichen Fördermitteln
Die Sanierung der Körse-Therme in Kirschau schreitet voran. Die Gesamtkosten der Sanierung liegen bei rund 26 Millionen Euro, wobei der Großteil durch Fördermittel des Freistaates Sachsen getragen wird. Die Wiedereröffnung der Therme ist für Anfang 2028 geplant. Die Planungsleistungen wurden an das Büro Bauplanung Bautzen vergeben, das auch für Heizung, Lüftung und Sanitär zuständig sein wird. Neben neuer Technik und moderner Energieversorgung sollen auch Sauna, Kinderbereich und Gastronomie deutlich aufgewertet werden. Dieses Projekt verdeutlicht die Abhängigkeit großer Sanierungsvorhaben von öffentlichen Förderungen.
Niederrhein-Therme Duisburg: Langfristige Planung und Finanzierung
Die Niederrhein-Therme im Revierpark Mattlerbusch steht vor einer Generalsanierung mit einem geplanten Gesamt-Investitionsvolumen von etwa 35 bis 40 Millionen Euro. Der Verbandsausschuss des Regionalverbandes Ruhr (RVR) hat die ersten Schritte zur Generalsanierung einstimmig beschlossen. Die Finanzierung der ersten Planungs- und Leistungsphasen ist eingeleitet: Der RVR und die Stadt Duisburg stellen zunächst jeweils 400.000 Euro in 2025 und eine weitere Million Euro in 2026 zur Verfügung. Der endgültige Beschluss bedarf noch der Zustimmung durch die RVR-Verbandsversammlung und den Rat der Stadt Duisburg. Die Planung zielt darauf ab, die beliebte Therme grundlegend zu modernisieren und für kommende Generationen zu sichern.
Römer-Thermen Bad Breisig: Komplexer Baukörper und langfristige Sanierung
Die Römer-Thermen in Bad Breisig unterliegen aufgrund ihrer langen Geschichte und vielen Um- und Anbauten einem komplexen Baukörper. Das Gebäude wurde zwischen 1930 und 2023 flächenmäßig erweitert, und das Schwimmbad wurde um weitere Nutzungsbereiche ergänzt. Da die Therme vor 1991/92 eröffnet wurde, sind inhaltliche und technische Neuerungen notwendig. Die ersten Schritte zu einer vollumfänglichen Sanierung begannen bereits im Jahr 2020. Die Planung und Umsetzung erfolgen in den nächsten Jahren gemeinsam mit Bauherr und Betreiber. Die Realisierung ist bis 2028 angesetzt.
Weitere Entwicklungen und Ausblicke
Neben den genannten Großprojekten finden sich in der Thermenlandschaft weitere Entwicklungen. In Bad Salzschlirf wurde der Wunsch nach einem Neubau einer Therme geäußert. Die Therme Lindau öffnete nach dreijähriger Bauzeit und bietet mit sechs Thermalbecken und 12 Saunen ein modernes Wellnessangebot. In Toronto ist eine neue Thermen- und Wellnessanlage für rund 350 Millionen kanadische Dollar geplant, was die globale Dimension des Themas verdeutlicht. Die Corona-Pandemie hat zudem gezeigt, wie stark auch der Thermenbereit von externen Krisen betroffen sein kann, was die Bedeutung robuster Geschäftsmodelle und flexibler Planungsansätze unterstreicht.
Fazit
Die Analyse der verschiedenen Thermenprojekte zeigt, dass Sanierung und Modernisierung permanente Prozesse sind, die hohe finanzielle Mittel und technische Expertise erfordern. Obwohl die spezifischen Maßnahmen je nach Anlage variieren – von der Erschließung neuer Thermalquellen wie in Bad Endorf bis hin zur kompletten Erneuerung der Bausubstanz in Duisburg oder Bad Breisig – sind die Ziele vergleichbar: Sicherung der Betriebsfähigkeit, Steigerung der Energieeffizienz und Verbesserung des Gästeerlebnisses. Die Notwendigkeit, Betriebe während der Bauphase teilweise oder ganz geschlossen zu halten, stellt eine wirtschaftliche Herausforderung dar, die durch Kompensationsangebote und transparente Kommunikation abgefedert werden muss. Fördermittel von staatlicher Seite sind für viele Projekte in dieser Größenordnung ein entscheidender Faktor für die Realisierung. Die Branche befindet sich somit in einem kontinuierlichen Investitionszyklus, der für die langfristige Sicherung des Wirtschaftsfaktors Thermen und Wellness unerlässlich ist.
Quellen
- Austrasse Zürich: Modernisierung und Erweiterung der Chiemgau Therme
- Austrasse Zürich: Modernisierung der Franken Therme
- RupertusTherme: Sonderaktion
- Lausitzwelle: Sanierung der Körse Therme
- Lokalkompass: Generalsanierung Niederrhein-Therme
- Thermenportal: Neubau & Renovierung
- Mplus Architekten: Generalsanierung Römer Thermen