Die umfassende Sanierung des Gymnasiums Hittfeld in Niedersachsen stellt ein herausragendes Beispiel für die Modernisierung einer über 50 Jahre alten Schule unter laufendem Betrieb dar. Das Projekt, das in den Jahren nach 2021 realisiert wurde, zeigt die komplexen Herausforderungen, die bei der Sanierung historischer Bausubstanz mit modernen technischen und pädagogischen Anforderungen entstehen. Der Schwerpunkt der Maßnahmen liegt auf der Anpassung an aktuelle baurechtliche Standards, der energetischen Sanierung und der Umgestaltung der Raumkonzepte für den modernen Unterricht. Die Kosten beliefen sich ursprünglich auf 13,9 Millionen Euro, wurden im Verlauf der Planung jedoch auf etwa 12 Millionen Euro (KG 300 + 400) überarbeitet.
Ausgangslage und Sanierungsbedarf
Das Gymnasium Hittfeld, das zwischen 1971 und 1978 errichtet wurde, befindet sich auf dem Peperdieksberg im Ortsteil Hittfeld der Gemeinde Seevetal. Mit 1.150 Schülerinnen und Schülern und 95 Lehrkräften zählt es zu den größeren Bildungseinrichtungen der Region. Nach über 50 Jahren Nutzung war das Gebäude dringend sanierungsbedürftig. Die ursprünglichen technischen Standards waren überholt, und das Raumkonzept entsprach nicht mehr den Anforderungen einer modernen Schule.
Der Zustand des Gebäudes wurde als so schwerwiegend beschrieben, dass eine umfassende Sanierung unvermeidlich war. Innen befand sich das Gebäude nahezu im Urzustand. Die letzte größere Sanierung fand in den Jahren 1988 und 1990 lediglich an Fassaden und Dach statt. Ein einzelner CDU-Politiker beschrieb den Zustand des Gebäudes als "schlimmer als ein Bunker" und als "deprimierend". Der Baukörper sei riesig, und in den vergangenen 45 Jahren sei relativ wenig getan worden. Hinzu kamen Baukostensteigerungen und Vorgaben des Landes, die nicht absehbar gewesen seien.
Finanzierung und Kostenplanung
Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch den Landkreis Harburg als Auftraggeber. Die Kostenplanung durchlief mehrere Phasen und war Gegenstood intensiver politischer Diskussionen.
Ursprüngliche Kalkulation und Kompromiss
Ursprünglich veranschlagte man 15 Millionen Euro für die Modernisierung. Im Kreistag wurde jedoch ein Konzept beschlossen, das auf 13,9 Millionen Euro basiert. Dieser Betrag wurde mehrheitlich im Kreistag im Hotel Sellhorn in Hanstedt beschlossen. Durch diesen Besatz wurden 1,1 Millionen Euro gegenüber dem ursprünglichen Volumen eingespart.
Die Kosten sind in drei Stufen unterteilt: * Kostenstufe 1: 8,9 Millionen Euro. In dieser Stufe gibt es keine Einsparungen. Diese Kosten decken die Sicherheitstechnik ab, inklusive der Umsetzung aktueller baurechtlicher und haustechnischer Standards sowie eines umfassenden Brandschutzes. * Kostenstufe 2: Hier wurden 1,1 Millionen Euro eingespart. Diese Stufe umfasst eine bessere Ausnutzung vorhandener Flächen für das G9-System (G9 = 9-jährige Gymnasialzeit) durch Um- und Ausbau der Flure und Raummitten sowie den Umbau der Klassenräume. * Kostenstufe 3: Betrifft die räumliche Aufteilung für das pädagogische Konzept.
Spätere Angaben in den Quellen sprechen von etwa 12 Millionen Euro (KG 300 + 400), was auf eine weitere Überarbeitung des Kostenrahmens hindeutet. Diese Summe deckt den Umbau und die energetische Sanierung ab.
Politische Diskussion um die Kosten
Die Entscheidung über die Finanzierung war nicht unumstritten. Der Schulausschuss des Landkreises Harburg konnte sich zunächst nicht auf eine Empfehlung zu den geforderten Baumaßnahmen für pädagogische Zwecke mit einem Kostenvolumen von 1,1 Millionen Euro einigen. Diese Summe war für den Ausbau von Lagerräumen für den Unterricht und Verbesserungen im naturwissenschaftlichen und Kunstunterricht vorgesehen.
Einige CDU-Politiker sprachen sich überraschend für das volle Investitionspaket in Höhe von 15 Millionen Euro aus. Necdet Savural (CDU) forderte eine Sanierung ohne Kürzungen, während Norbert Fraederich (CDU) appellierte, nicht am pädagogisch Notwendigen zu sparen. Letztendlich einigte man sich auf den Kompromiss von 13,9 Millionen Euro. Sprecher von CDU, Grünen und FDP hielten es für ungerecht, der Schulgemeinschaft alle Forderungen zu erfüllen, während andere Schulen im Kreisgebiet Kürzungen hinnehmen mussten.
Die ursprünglichen Planungen aus dem Jahr 2014/15, die sich an dem Umbau der Realschule zur Integrierten Gesamtschule orientierten und 4,2 Millionen Euro vorsahen, wurden als Fehleinschätzung bezeichnet.
Baumaßnahmen und technische Sanierung
Die Sanierung umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die darauf abzielen, das Gebäude auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen und gleichzeitig den historischen Charme zu erhalten.
Sicherheitstechnik und Brandschutz
Ein zentraler Aspekt der Sanierung ist die Verbesserung des Brandschutzes, der in dem über 50 Jahre alten Gebäude nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprach. Die komplette Sicherheitstechnik (Kostenstufe 1) wurde für 8,9 Millionen Euro umgesetzt. Dies beinhaltet die Einhaltung aktueller baurechtlicher und haustechnischer Standards.
Energetische Sanierung und Infrastruktur
Obwohl konkrete Maßnahmen in den Quellen nicht detailliert genannt werden, umfassen solche Sanierungen typischerweise: * Dämmung von Fassade und Dach * Austausch von Fenstern * Modernisierung der Heizungs- und Lüftungsanlage
Zudem wurde die technische Infrastruktur erneuert. Die Elektroinstallation, die Beleuchtung und die informationstechnische Infrastruktur wurden angepasst, um den Anforderungen des digitalen Unterrichts gerecht zu werden.
Barrierefreiheit und Raumkonzept
Ein wichtiges Ziel war die Schaffung von Barrierefreiheit, um allen Schülerinnen und Schülern den Zugang zum Gebäude zu ermöglichen. Die räumliche Neugestaltung zielte darauf ab, die breiten Flurzonen und großen Mittelkerne, die zuvor nur wenig genutzt wurden und keine natürliche Belichtung erhielten, komplett zu überarbeiten. Ziel war es, diese Bereiche sinnvoller zu nutzen und den Schülern eine offene und lichtdurchflutete Lernumgebung zu bieten. Dies umfasste auch den Umbau der Klassenräume und die Umgestaltung der Flure und Raummitten für das G9-Konzept.
Zeitplan und Durchführung bei laufendem Betrieb
Eine besondere Herausforderung war die Durchführung der Sanierung bei laufendem Schulbetrieb. Der Baustart erfolgte im Frühjahr 2021. Die geplante Gesamtbauzeit betrug voraussichtlich drei Jahre und war in vier Bauphasen unterteilt.
- Phase 1 und 2: Zum Zeitpunkt der Berichterstattung abgeschlossen.
- Phase 3: Voraussichtlich 2024 fertiggestellt.
- Phase 4: Befand sich zum Zeitpunkt der Berichterstattung im Bau.
Die Einhaltung des Zeitplans ist besonders wichtig, da die temporären Einrichtungen nur für begrenzte Zeit genutzt werden können. Die Sanierung im Bestand stellt eine technisch anspruchsvolle Aufgabe dar, da die historische Bausubstanz respektiert werden muss, während moderne Standards erfüllt werden sollen. Es erfordert besonderes Know-how im Bereich des Bauens im Bestand, um unvorhergesehene Probleme zu bewältigen, die den Bauablauf und das Budget beeinflussen können.
Ergebnis und Nutzen der Sanierung
Das Ergebnis der Sanierung ist ein "frisches, modernes Schulgebäude", das auf die Anforderungen des 21. Jahrhunderts ausgerichtet ist. Die wichtigsten Ergebnisse sind:
- Zeitgemäße Lernräume: Das Gebäude bietet Lernumgebungen, die den modernen Unterricht unterstützen und verschiedene pädagogische Ansätze ermöglichen.
- Erhalt des historischen Charmes: Der besondere Charakter des über 50 Jahre alten Gebäudes konnte erhalten bleiben. Das Projekt zeigt, wie historischer Charme und moderne Anforderungen harmonisch miteinander verbunden werden können.
- Verbesserte Arbeitsbedingungen: Sowohl Lehrkräfte als auch Schüler profitieren von den verbesserten räumlichen und technischen Bedingungen.
- Kosteneffizienz: Durch die Sanierung im Bestand konnte der Bau eines komplett neuen Gebäudes vermieden werden, was erhebliche Kosten und Ressourcen gespart hat.
- Nachhaltigkeit: Die energetische Sanierung trägt zur Nachhaltigkeit bei und senkt die Betriebskosten des Gebäudes langfristig.
Die Zusammenarbeit erfolgte mit dem Hamburger Büro Trapez Architektur sowie SICHT.weise, die eine "Phase Null" (Vorplanung) durchführten, um gemeinsam mit der Schulgemeinschaft, den Schulträgern und den Architekten ein Konzept zu erarbeiten, das den baulichen Anforderungen ebenso gerecht wird wie den pädagogischen Zielen.
Zusammenfassung
Die Sanierung des Gymnasiums Hittfeld ist ein gelungenes Beispiel für die Modernisierung einer 50 Jahre alten Schule. Trotz anfänglicher politischer Unstimmigkeiten über die Höhe der Investitionen (ursprünglich 15 Mio. €, später 13,9 Mio. €, letztendlich ca. 12 Mio. €) konnte ein Kompromiss gefunden werden, der sowohl die notwendigen technischen Sicherheitsstandards (insbesondere Brandschutz) als auch die pädagogischen Anforderungen an zeitgemäße Lernräume berücksichtigt. Das Projekt unterstreicht die Bedeutung professioneller Planung und Zusammenarbeit aller Beteiligten, um historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen.
Fazit
Die Modernisierung des Gymnasiums Hittfeld demonstriert eindrücklich die Komplexität von Sanierungsprojekten im öffentlichen Schulbereich. Die hohen finanziellen Mittel, die in die Sicherheitstechnik und die energetische Sanierung fließen, zeigen die Notwendigkeit, bestehende Gebäude an aktuelle Umwelt- und Sicherheitsstandards anzupassen. Die Auseinandersetzung über die Finanzierung von 1,1 Millionen Euro für pädagogische Zusatzmaßnahmen verdeutlicht jedoch auch die Knappheit öffentlicher Ressourcen und die schwierige Abwägung zwischen den Bedürfnissen einzelner Schulen und der Gesamtheit der Schulen im Landkreis. Letztlich ist das Projekt ein positives Beispiel für die Balance zwischen Denkmalschutz, Nachhaltigkeit und der Schaffung moderner Lernumgebungen. Die Entscheidung, das Gebäude im Bestand zu sanieren statt es abzureißen, war aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht der richtige Weg.
Quellen
- Kreiszeitung-Wochenblatt: 13,9 Millionen Euro fürs Gymnasium Hittfeld
- Austrasse-zuerich: Modernisierung im laufenden Betrieb - Die Sanierung des Gymnasiums Hittfeld
- Kreiszeitung-Wochenblatt: Gymnasium Hittfeld - Modernisierung darf mindestens 13,9 Millionen Euro kosten
- SICHT.weise Beratung: Gymnasium Hittfeld - Modernisierung einer 50 Jahre alten Schule