Der Olympiapark München, ein architektonisches Meisterwerk und einer der bekanntesten Sport- und Veranstaltungskomplexe Deutschlands, steht vor einem seiner größten Renovierungsprojekte seit seiner Errichtung für die Olympischen Sommerspiele 1972. Nach über 50 Jahren intensiver Nutzung und aufgrund gesetzlicher Neuerungen im Brandschutz sowie in der Sicherheitstechnik ist eine umfassende Sanierung der Bausubstanz und der technischen Anlagen unumgänglich. Die Stadtwerke München (SWM) verantworten als technischer Dienstleister seit 2007 die Instandhaltung des Geländes und koordinieren die komplexen Modernisierungsmaßnahmen, die unter strengen Auflagen des Denkmalschutzes durchgeführt werden.
Das Ziel der Sanierung ist es, die historische Bausubstanz von 1972 soweit wie möglich zu erhalten. Wo dies aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist oder Bauteile bereits ersetzt wurden, wird der Originalzustand nachempfunden. Der folgende Artikel beleuchtet die detaillierten Sanierungspläne und den aktuellen Stand der Arbeiten am Olympiastadion, am Olympiaturm und am ikonischen Zeltdach.
Sanierung des Olympiastadions
Das Olympiastadion ist das Herzstück des Geländes, Austragungsort für Sportevents, Großkonzerte und Kulturveranstaltungen. Aufgrund seiner zentralen Rolle erfordert die Sanierung eine präzise Planung, um die Zeiten ohne Veranstaltungen so kurz wie möglich zu halten.
Zeitplan und Umfang
Die Sanierungsarbeiten im Olympiastadion begannen bereits im Jahr 2022 unter laufendem Betrieb. In dieser ersten Phase wurden die Flutlichtanlage sowie die sanitären Anlagen im Bereich der Gegentribüne erneuert. Des Weiteren wurde mit dem Dachbelag unter der Haupttribüne begonnen, wobei erste Außenbauwerke mit zugehörigen Erdarbeiten bereits fertig gestellt sind.
Eine vollständige Sperrung des Stadions erfolgte im Oktober 2025. Während dieser Schließungsphase umfassen die Arbeiten die Renovierung der VIP-Lounges, Umkleiden, Sanitärräume und Technikbereiche. Ebenso werden die Bausubstanz, der Brandschutz und die Gebäudetechnik erneuert. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Wiederherstellung des ursprünglichen Farbkonzepts.
Ursprünglich war eine 20-monatige Schließung von Herbst 2025 bis Frühsommer 2027 geplant. Aufgrund aktueller Erkenntnisse wurde die Planung jedoch angepasst, sodass die Sanierung voraussichtlich bis April 2029 andauern wird. Erste Großveranstaltungen sind für den Sommer 2028 zwischen Juli und Mitte September avisiert. Während der Schließung des Olympiastadions werden Konzerte in der Allianz Arena stattfinden.
Sanierung des Olympiaturms
Der Olympiturm, ein weiteres Wahrzeichen des Parks, wird ebenfalls umfassend saniert. Die Arbeiten konzentrieren sich auf die Erneuerung der technischen Anlagen, der Gebäudeausstattung und der Oberflächen.
Maßnahmen und Sicherheitsstandards
Seit Juni 2024 sind der Olympiturm und das Atriumgebäude für die Öffentlichkeit geschlossen. Die Sanierung umfasst insbesondere die Besucher- und Versorgungs-Aufzüge sowie die Küchentechnik im Turm und Atriumgebäude. Dabei wird den gestiegenen gesetzlichen Sicherheitsanforderungen Rechnung getragen, insbesondere in den Bereichen Brandschutz und Standsicherheit.
Im Zuge der Sanierung werden die Fassaden materialgetreu und nach altem Vorbild erneuert, um Korrosionsschäden zu beheben und bauphysikalische sowie energetische Aspekte zu verbessern. Im Atriumgebäude werden öffentliche Bereiche und Shops modernisiert und zugleich wieder an den historischen Zustand angenähert. Auch in der Turmkanzel werden die Oberflächen der Innenräume in Einklang mit dem Denkmalschutz erneuert. Nach Abschluss der Sanierung wird auch das beliebte Drehrestaurant wieder in Betrieb genommen.
Zeitplan
Die Planung sieht eine Wiedereröffnung des Atriums für Ende April 2026 vor. Der Olympiturm selbst soll voraussichtlich im Februar 2027 wieder für Besucher geöffnet werden.
Sanierung des Olympia-Zeltdachs
Das bislang größte Projekt der kommenden Jahre ist die Sanierung des Olympia-Zeltdachs. Das ikonische transparente Zeltdach, das sich über eine Fläche von rund 78.000 bis 78.700 Quadratmetern erstreckt, wird komplett saniert.
Notwendigkeit und Umfang
Die Plexiglasplatten des Daches haben materialbedingt nur eine beschränkte Lebensdauer und müssen aus Sicherheitsaspekten komplett erneuert werden. Das Dach wurde zuletzt Ende der 1990er Jahre neu eingedeckt. Zudem muss der Korrosionsschutz der Stahlbauteile und Seile überholt werden, und die Fundamente der Seileinläufe werden saniert.
Die Sanierung des Zeltdachs stellt eine ingenieurstechnische Herausforderung dar und soll im laufenden Betrieb erfolgen. Das bedeutet, dass das Olympiagelände, die Große und Kleine Olympiahalle sowie die Olympia-Schwimmhalle in dieser Zeit geöffnet bleiben sollen. Lediglich das Olympiastadion ist für die Instandsetzung ohnehin gesperrt, was die Sanierung des Daches dort ermöglicht. Die Sanierung der Dächer von Olympiahalle und Olympiaschwimmhalle erfolgt geplant ebenfalls bei laufendem Betrieb.
Detaillierte technische Arbeiten
Die Arbeiten am Zeltdach sind umfangreich und umfassen:
- Reinigung und Korrosionsschutz von ca. 12.400 Metern Hauptseilen.
- Entschichtung, Abdichtung und Neubeschichtung von ca. 15.700 Seil- und Verbindungsklemmen in einem Spezialverfahren.
- Vollständiger Austausch von ca. 78.700 Quadratmetern Plexiglasplatten.
- Ersatz von ca. 157.000 Gummi-Metall-Puffern, die der Befestigung der Plexiglasplatten dienen.
- Austausch von ca. 140 Kilometer Aluminium-Randklemmprofilen, die die Verbindung zwischen Acrylglasplatten und Fugenband ermöglichen, um eine geschlossene Dachfläche zu gewährleisten.
Zeitplan
Die Sanierung des Zeltdachs ist ein Langzeitprojekt. Laut den vorliegenden Informationen soll die Sanierung mitte 2026 beginnen. Quelle [3] gibt einen Zeitraum von 2026 bis 2029 an. Die Arbeiten sind so aufeinander abgestimmt, dass der Zeitraum ohne Veranstaltungen insgesamt so kurz wie möglich gehalten wird.
Weitere Sanierungsprojekte im Olympiapark
Neben den drei Hauptobjekten gibt es weitere Modernisierungsmaßnahmen auf dem Gelände.
Olympia-Schwimmhalle und Olympiahalle
Die Olympia-Schwimmhalle wurde bereits umgebaut und dabei um neue Attraktionen wie eine Schneekabine erweitert. Die Olympiahalle erstrahlt seit 2020 in neuem Glanz.
Bus- und U-Bahnhof Olympiazentrum
Der Busbahnhof am Olympiazentrum, der nach der Verlängerung der U3-Linie nicht mehr in Betrieb ist, soll revitalisiert werden. Da er als zentraler Eingangspunkt in den Olympiapark, das Olympische Dorf und zum BMW-Werk eine wichtige Funktion hat, sind mehrere Baumaßnahmen geplant. Die maroden Bahnsteigdächer werden originalgetreu erneuert, und Kioske sowie WC-Anlagen sollen saniert werden. Besonders hervorzuheben ist die Umgestaltung der versiegelten Flächen, auf denen früher die Busse hielten. Gemäß Stadtratsbeschluss soll hier ein „grüner Auftakt“ mit attraktiven Grünflächen, Sitzgelegenheiten und Brunnen entstehen. Zusätzlich möchten die Stadtwerke München Ladestationen für Elektroautos im nördlichen Teil platzieren.
TUM-Campus
Auf dem Gelände entsteht zudem mit dem Campus der Technischen Universität München eine der modernsten Hochschulanlagen Europas in Holzbauweise. Der Neubau der TUM School of Medicine and Health nach dem Entwurf der Vorarlberger Architekten Dietrich Untertrifaller ist weitgehend abgeschlossen.
Fazit
Die Sanierung des Olympiaparks München ist ein Mammutprojekt, das den Spagat zwischen modernen Anforderungen an Sicherheit, Technik und Denkmalschutz meistern muss. Die Maßnahmen am Olympiastadion, Olympiaturm und am Zeltdach sind essenziell, um die Nutzungsdauer der Anlagen zu verlängern und die Sicherheit für Besucher und Nutzer zu gewährleisten. Durch die enge Abstimmung der Stadtwerke München mit den Denkmalschutzbehörden wird sichergestellt, dass der charakteristische Baustil von 1972 erhalten bleibt. Die sukzessive Umsetzung der Projekte, teilweise bei laufendem Betrieb, minimiert die Auswirkungen auf den Veranstaltungsbetrieb. Für Bauinteressierte und Eigentümer von Immobilien in historischer Bausubstanz bietet die Sanierung des Olympiaparks anschauliche Einblicke in die Herausforderungen und Lösungsansätze der modernen Denkmalpflege und des Bauwesens.