Energetische Sanierung des Rathauses Ampfing: Ein umfassender Fachbericht zu Planung, Maßnahmen und Förderung

Die energetische Sanierung von öffentlichen Gebäuden stellt eine zentrale Aufgabe für Kommunen dar, um Klimaziele zu erreichen und langfristig Betriebskosten zu senken. Das Projekt im bayerischen Ampfing dient hierbei als exemplarisches Fallbeispiel für eine umfassende Gebäudemodernisierung. Basierend auf den vorliegenden Veröffentlichungen und Ausschreibungsdaten beleuchtet dieser Fachbeitrag die verschiedenen Planungsphasen, technischen Gewerke und die Bedeutung der Förderung durch Europäische Fonds. Der Fokus liegt auf der detaillierten Analyse der Maßnahmen, die von der Fassadensanierung über die Haustechnikmodernisierung bis hin zur Herstellung von Barrierefreiheit reichen.

Projektübersicht und Ausgangslage

Das Vorhaben betrifft das Rathaus Ampfing, ein Gebäude, das neben seiner Funktion als Verwaltungssitz auch die Gemeindebücherei beherbergt. Die Gebäudegrundfläche (BGF) beträgt ca. 1.738 m². Architektonisch handelt es sich um einen Stahlbetonskelettbau mit vier Geschossen (Sockelgeschoss, Hochparterre, 1. OG, 2. OG) und einem Flachdach in der Bauform eines Kaltdachs. Eine Besonderheit ist der vorhandene kleine Dachgarten.

Die Gebäudehülle besteht aktuell aus vorgehängten Stahlbeton-Fertigteilen sowie einer schwarzen Metallfassade in Teilbereichen. Eine Schadstoffvorerkundung wurde bereits durchgeführt und ergeben, dass die Fassade nicht schadstoffbelastet ist. Dieser Befund ist für die Planung des Rückbaus von großer Bedeutung, da er Entsorgungsprozesse vereinfacht und Kostenpotenziale bietet. Die Gesamtfassadenfläche beläuft sich auf ca. 1.250 m².

Die Gemeinde Ampfing plant das Vorhaben als mehrjähriges Projekt, das eine sorgfältige Koordination erfordert. Die Finanzierung erfolgt maßgeblich durch Fördermittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), was die Umsetzung ambitionierter energetischer Ziele ermöglicht.

Tragwerksplanung und Statik

Ein fundamentaler Bestandteil der Sanierung ist die Tragwerksplanung. Für diese Leistungen wurde ein Auftrag an die Kayser+Böttges Barthel+Maus Ingenieure und Architekten GmbH mit Sitz in München vergeben. Die Auftragssumme belief sich auf 107.480,00 EUR.

Der Zeitplan für diese Planungsphase war strukturiert: * Teilnahmefrist / Angebotsabgabe: 12.07.2024, 11:00 Uhr * Bindefrist: 10.09.2024 * Ausführungsbeginn der Planung: 15.08.2024 * Voraussichtliches Ende der Ausführung: 31.12.2027

Das Vergabeverfahren wurde als Verhandlungsverfahren durchgeführt, wobei ein Angebot vorlag. Die Tragwerksplanung umfasst die statische Prüfung für die geplanten Veränderungen, insbesondere im Hinblick auf die neue Fassadenkonstruktion und die Integration der neuen Haustechnik.

Fassadensanierung und Gestaltung

Die Sanierung der Fassade stellt die zentrale Maßnahme zur Verbesserung der Energieeffizienz dar. Der geplante vollständige Rückbau der vorhandenen Außenwandkonstruktion und der Neubau mit hohem energetischen Standard sind essenziell.

Entscheidungsprozess zur Gestaltung

In einer Gemeinderatssitzung im Februar 2025 wurde die gestalterische Ausrichtung festgelegt. Zwei Designvorschläge standen zur Debatte: 1. Eine Bandfassade 2. Eine Lochfassade

Letztendlich fiel die Entscheidung auf die Variante der Lochfassade. Diese Entscheidung markiert einen wichtigen Meilenstein für das Erscheinungsbild des sanierten Gebäudes.

Technische Anforderungen an die neue Fassade

Die neue Fassade muss mehrere technische Anforderungen erfüllen: * Energetischer Standard: Die Dämmstärke und die gewählten Materialien sind entscheidend für den Erfolg der Sanierung. Ziel ist eine Minimierung der Energieverluste. * Wärmebrückenmanagement: Bei Sanierungen von Bestandsgebäuden ist die Detailplanung zur Minimierung von Wärmebrücken entscheidend, um Energieverluste und Bauschäden zu vermeiden. * Brandschutz: Die Planung muss brandschutztechnischen Anforderungen gerecht werden. Dies umfasst unter anderem den Einbau von Feuerschutztüren. * Schallschutz: Die neue Fassade muss auch schalltechnische Anforderungen erfüllen, um den Nutzern ein ruhiges Arbeitsumfeld zu gewährleisten.

Modernisierung der Haustechnik (Heizung und Lüftung)

Ein weiteres zentrales Gewerk ist die Modernisierung der Haustechnik. Hierfür wurden gesonderte Planungsleistungen ausgeschrieben. Der Schwerpunkt liegt auf der Auslegung von Heizungs- und Lüftungsanlagen im Kontext der energetischen Sanierung.

Ein spezifisches Bauleistungsgewerk betrifft die Verlegung einer Nahwärmeleitung. Dies beinhaltet Tiefbauarbeiten und Entwässerungskanalarbeiten. Die Verbindung der Gebäudeheizung an eine Nahwärmeleitung ist eine effiziente Möglichkeit, den Energiebedarf durch externe Wärmeversorgung zu decken, was den Betrieb des Gebäudes nachhaltiger gestaltet.

Barrierefreiheit und Nutzerkomfort

Ein wesentliches Ziel der Sanierung ist die Herstellung der Barrierefreiheit im gesamten Gebäude. Dies ist nicht nur eine rechtliche Anforderung, sondern verbessert den Nutzerkomfort erheblich.

Die geplante Maßnahme umfasst den Einbau eines Personenaufzugs, der alle Geschosse des Rathauses anfährt. Durch diese Maßnahme wird das Gebäude für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sowie für die Lieferlogistik zugänglich. Die Sanierung zielt darauf ab, die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und der Nutzer der Gemeindebücherei deutlich zu verbessern.

Zeitplanung und Projektmanagement

Das Projekt ist als mehrjähriges Vorhaben konzipiert. Die Strukturierung des Vergabeprozesses zeigt die Komplexität des Vorhabens. Für die ersten Planungsleistungen (Tragwerksplanung) lag die Teilnahmefrist im Juli 2024. Die Ausführungsphase der Planung begann im August 2024 und soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Diese lange Zeitspanne verdeutlicht, dass es sich um eine detaillierte Vorplanung, mögliche Genehmigungsverfahren und eine sorgfältige Abstimmung mit den ausführenden Firmen handelt.

Die Ausschreibungen für die Bauleistungen (Nahwärmeleitung, Tiefbau) sind für den Zeitraum November 2025 bis Januar 2026 vorgesehen (Bekanntmachung 18.11.25, Abgabefrist 01.01.26).

Finanzierung und Förderung

Die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts stützt sich auf Fördermittel. Die Gemeinde Ampfing nutzt Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Diese Förderung ist ein entscheidender Hebel, um die hohen Investitionskosten für eine umfassende energetische Sanierung stemmen zu können. Die Investition rechtfertigt sich durch die langfristige Reduzierung der Betriebskosten und die Erhöhung des Gebäudewertes.

Fazit

Die energetische Sanierung des Rathauses Ampfing ist ein umfassendes Modernisierungsvorhaben, das als Vorlage für ähnliche kommunale Projekte dienen kann. Die Maßnahmen umfassen die Gebäudehülle (Fassadenerneuerung gemäß Lochfassaden-Design), die Haustechnik (Heizung, Lüftung, Nahwärmeleitung) und die Nutzerqualität (Barrierefreiheit durch Aufzug).

Durch die Schadstofffreiheit der alten Fassade sind die Rückbauarbeiten planungstechnisch entlastet. Die Verpflichtung zur Einhaltung von Brandschutz- und Schallschutzanforderungen sowie die Minimierung von Wärmebrücken zeigen die hohe fachliche Qualität der Planung. Die Finanzierung durch EFRE-Mittel sichert die Realisierung. Das Projekt unterstreicht die Bedeutung nachhaltiger Bauweise im öffentlichen Sektor und zeigt, wie energetische Sanierung mit der Verbesserung der Barrierefreiheit und einer modernen Gestaltung verbunden werden kann.

Quellen

  1. Ausschreibungen Deutschland - Dienstleistungen von Architektur-, Konstruktions- und Ingenieurbüros 2024 Ampfing
  2. Ausschreibungen Deutschland - Technische Planungsleistungen für maschinen- und elektrotechnische 2025 Ampfing
  3. Vergabepilot - Nahwärmeleitung für Rathaus Ampfing
  4. Pressedienst Öffentliches Beschaffungswesen - Tragwerksplanung für die energetische Sanierung des Rathauses Ampfing
  5. Austrasse Zürich - Energetische Sanierung des Rathauses Ampfing

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