Langzeitsanierung einer Förderschule in Dortmund: Herausforderungen und Erkenntnisse aus dem Projekt Max-Wittmann-Schule

Einleitung

Die Sanierung von öffentlichen Gebäudekomplexen, insbesondere von Schulen, stellt die Bauwirtschaft vor besondere Herausforderungen. Wenn solche Projekte sich über Jahre hinziehen, wie dies bei der Max-Wittmann-Förderschule in Dortmund-Eving der Fall war, werden die Auswirkungen auf Betrieb, Nutzer und Planer deutlich. Der Sanierungsprozess, der im Jahr 2017 begann und sich über einen Zeitraum von mehr als sechs Jahren erstreckte, dient als Fallbeispiel für die Komplexität von Modernisierungsmaßnahmen im laufenden Betrieb. Dieser Artikel beleuchtet die technischen und organisatorischen Aspekte dieses Langzeitprojekts, analysiert die aufgetretenen Verzögerungen und untersucht die daraus resultierenden Konsequenzen für die räumliche Planung im kommunalen Bildungswesen. Die Situation wirft ein Schlaglicht auf die Notwendigkeit robuster Planungsstrategien und Kommunikationswege bei der Sanierung von Gebäudebeständen, die nicht stillgelegt werden können.

Analyse des Sanierungsverlaufs und der Zeitpläne

Die Sanierung des Gebäudekomplexes an der Oberevinger Straße 155 in Dortmund-Eving begann 2017. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass die Schüler voraussichtlich Anfang des Jahres 2023 in das sanierte Hauptgebäude zurückkehren sollten. Tatsächlich zog sich der Prozess jedoch deutlich in die Länge. Im August 2023, zum Start des Schuljahres nach den Sommerferien, war das Gebäude noch nicht fertiggestellt, obwohl die Stadt Dortmund zuvor mitgeteilt hatte, dass die Arbeiten "unter Hochdruck" liefen und ein regulärer Schulbetrieb ab dem 14. August 2023 angestrebt werde.

Die Verzögerungen sind Gegenstand von Kritik geworden, da konkrete Gründe für die Überschreitung der Zeitpläne von der Stadtverwaltung nicht detailliert offengelegt wurden. Die lange Dauer der Sanierung hatte erhebliche Auswirkungen auf die operativen Abläufe. Besonders problematisch war die Situation im Frühjahr 2024, als zwar kleinere Restarbeiten in den Klassenzimmern und sanitären Anlagen abgeschlossen werden konnten, jedoch weiterhin Probleme bei der Fertigstellung des Schwimmbads und eines Gymnastikraums bestanden.

Der Verzug bei diesen spezifischen Funktionsräumen wurde auf eine Entscheidung für eine "spezielle Schwimmbadtechnik" zurückgeführt, die zu unerwarteten Verzögerungen führte. Ein genauer Fertigstellungstermin für diese Bereiche konnte von der Stadt zum damaligen Zeitpunkt nicht genannt werden. Ebenso sorgte ein Wasserschaden in der Turnhalle für zusätzliche Verzögerungen, wobei zumindest die Umkleideräume mittlerweile genutzt werden konnten. Erst im Sommer 2023, nach sechs Jahren Sanierung, wurde das Gebäude wieder von der Förderschule bezogen, wobei die Endfertigstellung sich weiter hinzog.

Organisatorische Maßnahmen und Betriebsaufteilung

Ein Kernproblem der Sanierung war die Notwendigkeit, den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten, während das Hauptgebäude saniert wurde. Dies führte zu einer Aufteilung der Schule auf zwei separate Standorte, was als einzige Möglichkeit beschrieben wurde, alle Schüler der Max-Wittmann-Schule zu beschulen.

Die Verteilung der Schüler auf verschiedene Standorte gestaltete sich wie folgt:

  • Primarstufe: Die jüngeren Schüler wurden in der ehemaligen Minister-Stein-Förderschule in Kemminghausen untergebracht. Der Standort befindet sich am Gretelweg 35-37.
  • Sekundarstufe I: Die älteren Schüler sind in der ehemaligen Hauptschule Wickede am Dollersweg 18 untergebracht.

Diese räumliche Trennung brachte erhebliche organisatorische Herausforderungen mit sich. Für die Familien bedeutete dies eine langjährige Zersplitterung des Schulbetriebs, die den Schulweg und die sozialen Kontakte der Schüler beeinträchtigte. Die Stadt Dortmund betonte, dass diese Aufteilung notwendig war, um die Beschulung sicherzustellen.

Besonders interessant für die langfristige Stadtentwicklung ist die Planung für den Standort Wickede (Dollersweg 18). Dieser Standort hat eine besondere Vorgeschichte, da er bereits früher für einige Jahre als Ausweichquartier für die Förderschule genutzt wurde. Ab 2026 soll dieser Standort erneut Entlastung bringen. Langfristig ist sogar eine eigenständige Förderschule für diesen Standort geplant, was die dauerhafte Entlastung des Hauptstandorts Eving zum Ziel hat.

Reaktionen der Nutzer und der Öffentlichkeit

Die extrem lange Dauer des Projekts führte zu erheblicher Frustration bei den betroffenen Eltern. Die Sanierung wurde als Belastung für den Schulalltag und die familiäre Planung empfunden. Im März 2023 äußerte sich die Elternvertretung öffentlich kritisch. Eine betroffene Elternteil, Ivonne Minich, artikulierte den Unmut vieler Familien, indem sie andeutete, sogar demonstrieren zu wollen, um auf die missliche Situation aufmerksam zu machen.

Die Kritik der Eltern bezog sich insbesondere auf den verspäteten Schulstart im August 2023, aber auch auf die mangelnde Transparenz bezüglich der tatsächlichen Ursachen für die Verzögerungen. Die Elternvertretung wandte sich mehrfach an die Stadtverwaltung, um Informationen über den Fortgang der Arbeiten und verlässliche Fertigstellungstermine zu erhalten. Die anhaltende Ungewissheit und die Notwendigkeit, sich über Jahre auf Ausweichstandorte einzustellen, führten zu einem Vertrauensverlust in die Planungssicherheit der städtischen Baumaßnahmen.

Kapazitätsengpässe und Bedarf an neuen Infrastrukturen

Die Problematik an der Max-Wittmann-Schule ist Teil eines größeren Trends im Dortmunder Schulsystem. Die beiden bestehenden Förderschulen mit dem Schwerpunkt "Geistige Entwicklung" – die Max-Wittmann-Schule in Eving und die Mira-Lobe-Förderschule in Hombruch – stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Beide Schulen verzeichnen seit vielen Jahren konstant steigende Schülerzahlen, und dieser Trend wird voraussichtlich weiter anhalten.

Die Sanierung der Max-Wittmann-Schule und die damit verbundene vorübergehende Reduzierung der verfügbaren Flächen verschärften diese Situation. Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, plant die Stadt Dortmund die Errichtung einer dritten Förderschule mit dem Schwerpunkt "Geistige Entwicklung". Der Verwaltungsvorstand befasste sich mit dieser Planung, und der Rat der Stadt sollte im Dezember über die Errichtung entscheiden.

Als neuer Standort für diese dritte Schule ist der Dollersweg 18 vorgesehen, also jener Standort in Wickede, der bereits während der Sanierung der Max-Wittmann-Schule als Ausweichquartier diente. Diese Planung unterstreicht die Notwendigkeit, Kapazitäten langfristig zu erweitern, um demografischen Entwicklungen und den spezifischen Anforderungen der Förderschulen Rechnung zu tragen. Die Tatsache, dass der Übergangsstandort am Gretelweg 35–37 auch nach Ende der Sanierungsarbeiten in Eving weiter genutzt werden muss, zeigt die anhaltende räumliche Knappheit im System.

Technische Aspekte und Herausforderungen bei der Gebäudeinstandhaltung

Die Sanierung der Max-Wittmann-Schule illustriert die Schwierigkeiten, die bei der Modernisierung von Gebäudebeständen auftreten können, insbesondere wenn spezifische technische Anforderungen erfüllt werden müssen. Ein herausragendes Beispiel ist die Sanierung des Schwimmbads.

Im öffentlichen Bildungsbau sind Schwimmbäder oft komplexe technische Anlagen, deren Sanierung einen hohen Spezialwissenstand und präzise Planung erfordert. Die Entscheidung der Stadt Dortmund für eine "spezielle Schwimmbadtechnik" führte zu Verzögerungen, die nicht vorhergesehen waren. Solche technischen Komplexitäten können entstehen, wenn bestehende Strukturen auf neue Energieeffizienzstandards oder Sicherheitsvorschriften gebracht werden müssen oder wenn moderne Badetechnik integriert wird. Die Verzögerung bei der Fertigstellung des Schwimmbads und des Gymnastikraums deutet darauf hin, dass entweder die Planung in diesen Bereichen unzureichend war oder dass während der Bauausführung unvorhergesehene bauliche Gegebenheiten zutage traten, die eine Anpassung der Technik erforderten.

Ebenso der Wasserschaden in der Turnhalle zeigt die Vulnerabilität von Gebäudebeständen während Sanierungsphasen. Solche Schäden können die Bausubstanz gefährden und zusätzliche Kosten sowie Zeitverzögerungen verursachen. Die Instandhaltung von öffentlichen Gebäuden erfordert daher nicht nur die Modernisierung der nutzungsbezogenen Bereiche, sondern auch die Sicherung der Bausubstanz und der technischen Infrastruktur während der Bauphase.

Fazit

Die Sanierung der Max-Wittmann-Förderschule in Dortmund-Eving ist ein anschauliches Beispiel für die Risiken und Komplexitäten von Langzeitbauprojekten im kommunalen Sektor. Der über sechsjährige Sanierungszeitraum, der ursprüngliche Zeitpläne deutlich überschritt, führte zu erheblichen Belastungen für die betroffenen Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Die Notwendigkeit, den Schulbetrieb auf zwei Ausweichstandorte aufzuteilen, verdeutlicht die organisatorischen Hürden, die bei laufenden Sanierungen zu bewältigen sind.

Zentrale Erkenntnisse aus dem Projekt sind: 1. Transparenz und Kommunikation: Das Fehlen konkreter Angaben zu den Gründen für Verzögerungen seitens der Stadtverwaltung trug maßgeblich zur Frustration der Elternschaft bei. Eine proaktive Kommunikation über technische Hürden und Planänderungen ist essenziell. 2. Technische Planung: Entscheidungen für spezielle Technologien, wie im Fall der Schwimmbadtechnik, bergen das Risiko von Terminverschiebungen, wenn diese nicht frühzeitig finalisiert werden. 3. Kapazitätsmanagement: Die Sanierung fiel in eine Phase steigender Schülerzahlen und knapper Kapazitäten. Dies zwang zu Zwangslösungen (Aufteilung auf zwei Standorte) und machte langfristige Planungen (Errichtung einer dritten Schule) notwendig.

Für Bauherren und Projektverantwortliche im öffentlichen wie privaten Bereich bleibt die Lehre, dass Sanierungen an bestehenden Gebäudestrukturen, insbesondere bei hohem Nutzungsdruck, eine extrem genaue Risikoanalyse und Pufferplanung erfordern. Die Max-Wittmann-Schule zeigt, dass selbst bei "unter Hochdruck" arbeitenden Baustellen die Realität des Bauablaufs die Planung über Jahre übertreffen kann.

Quellen

  1. austrasse-zuerich.ch
  2. wirindortmund.de
  3. radio912.de
  4. ruhrnachrichten.de

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