Generalsanierung Parkhaus Krautstraße Memmingen: Eine Bestandsaufnahme moderner Infrastrukturmaintenance

Die Sanierung von Bestandsgebäuden, insbesondere von tiefgaragenartigen Parkhäusern, stellt die Bauindustrie vor komplexe Herausforderungen. Korrosionsschäden, die Anpassung an neue technische Standards und die Forderung nach Barrierefreiheit sind nur einige Aspekte, die bei solchen Projekten berücksichtigt werden müssen. Ein exemplarisches Beispiel für eine solche umfassende Modernisierung ist das Parkhaus in der Krautstraße in Memmingen. Nach einer 15-monatigen Bauphase wurde die Anlage im Jahr 2020 wiedereröffnet. Dieser Artikel beleuchtet die technischen, planerischen und finanziellen Aspekte dieses Projekts, basierend auf den verfügbaren Informationen.

Ausgangslage und Sanierungsbedarf

Das Parkhaus Krautstraße wurde im Jahr 1989 errichtet und diente über Jahrzehnte als zentraler Parkraum für die Memminger Innenstadt. Ähnlich wie viele Bauwerke dieser Ära und Bauart war es den Witterungseinflüssen sowie dem Einsatz von Streusalz im Winter stark ausgesetzt. Die Quellen identifizieren Chloride, die über Autoreifen in das Bauwerk eingetragen wurden, als primäre Ursache für die Schäden. Diese Chemikalien dringen in den Beton ein und führen zur Korrosion der Bewehrungsstähle, was eine fortschreitende Zerstörung der Bausubstanz nach sich zieht.

Die Notwendigkeit einer Sanierung wurde bereits 2017 durch den Werksenat der Stadt Memmingen beschlossen. Die Schäden waren so fortgeschritten, dass eine bloße Oberflächenbehandlung nicht ausreichte; eine Generalsanierung war unumgänglich. Besonders betroffen war die Bodenplatte des dritten Untergeschosses, die aufgrund des hohen Schädigungsgrades komplett erneuert werden musste. Auch an sämtlichen Stützen und Decken waren umfangreiche Betoninstandsetzungsarbeiten notwendig.

Projektsteckbrief und Zeitplan

Das Sanierungsvorhaben war ein umfangreiches Infrastrukturprojekt der Stadt Memmingen. Die Bauarbeiten begannen im März 2019 und zogen sich über einen Zeitraum von 15 Monaten hin, bevor im Juni 2020 die Wiedereröffnung erfolgen konnte.

  • Bauherr: Stadt Memmingen
  • Standort: Memmingen, Krautstraße
  • Baujahr (ursprünglich): 1989
  • Sanierungszeitraum: März 2019 bis Juni 2020
  • Investitionsvolumen: ca. 6,7 Millionen Euro
  • Planungs- und Bauleitung: Obermeyer Planen + Beraten GmbH (Generalplaner)

Die Projektlaufzeit von 2019 bis 2020 umfasste nicht nur die eigentlichen Bauarbeiten, sondern auch die vorbereitende Planung und die Objektbetreuung. Als Generalplaner war die Obermeyer Group für die Tragwerksplanung, die Elektro- und Informationstechnik sowie die Planung der Technischen Ausrüstung verantwortlich.

Technische Maßnahmen und Bauphysik

Die Sanierung des Parkhauses Krautstraße lässt sich in mehrere technische Kernbereiche unterteilen. Neben der statischen Sicherung und der Beseitigung von Korrosionsschäden standen die Verbesserung der Entwässerung, die Optimierung des Brandschutzes und die technische Aufrüstung im Vordergrund.

Betoninstandsetzung und Korrosionsschutz

Der umfangreichste Teil der Sanierung betraf die Betoninstandsetzung. Die jahrzehntelange Exposition gegenüber Chloriden machte eine Sanierung aller Bodenflächen und Stützen notwendig. Solche Sanierungen erfordern in der Regel das Aufbringen von speziellen Schutzschichten oder den Einbau von kathodischem Korrosionsschutz, um die Restlebensdauer des Bauwerks zu sichern. Die Notwendigkeit, die gesamte Bodenplatte des dritten Untergeschosses zu erneuern, unterstreicht die Schwere der Schäden, die durch den jahrzehntelangen Betrieb entstanden sind.

Verbesserung der Entwässerung

Eine funktionierende Entwässerung ist in Parkhäusern essenziell, um Rutschgefahren zu vermeiden und die Dauerhaftigkeit des Bauwerks zu gewährleisten. Die Quellen geben an, dass die Entwässerung der Parkebenen verbessert wurde. Dies umfasst in der Regel die Reinigung oder den Austausch von Abflussrohren, die Neigung der Bodenflächen und den Anschluss an die städtische Kanalisation. Eine verbesserte Entwässerung reduziert zudem die Feuchtigkeit im Bauwerk und verlangsamt damit korrosive Prozesse.

Aufrüstung des Brandschutzes

Der Brandschutz in Parkhäusern ist ein kritischer Sicherheitsaspekt. Die Sanierung beinhaltete eine "Ertüchtigung" der brandschutztechnischen Einrichtungen. Konkret bedeutet dies in der Regel die Installation oder Modernisierung von Brandmeldern, die Überprüfung der Flucht- und Rettungswege sowie den Einsatz von feuerhemmenden Beschichtungen an Stützen und Decken. Auch die Beleuchtung spielt hier eine Rolle, da im Brandfall eine sichere Evakuierung gewährleistet sein muss.

Modernisierung für die Zukunft: Barrierefreiheit und E-Mobilität

Ein wesentlicher Teil der Investition von 6,7 Millionen Euro floss in die Anpassung des Gebäudes an moderne Anforderungen. Hierbei handelt es sich nicht nur um Komfortverbesserungen, sondern oft auch um gesetzliche Vorgaben.

Barrierefreiheit

Die Schaffung von Barrierefreiheit war ein zentraler Schwerpunkt der Sanierung. Hierzu wurden folgende Maßnahmen umgesetzt: * Einbau eines Aufzugs: Ein Personenaufzug wurde installiert, der nun alle Ebenen des Parkhauses barrierefrei erschließt. Zuvor war das Parkhaus für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder Kinderwagen nur schwer oder gar nicht nutzbar. * Behindertengerechte Parkplätze: Im Eingangsbereich wurden vier speziell gekennzeichnete Parkplätze für Behinderte eingerichtet. * Behindertengerechte Toilette: Im Erdgeschoss wurde eine Toilette installiert, die den Anforderungen an Barrierefreiheit entspricht.

Diese Maßnahmen machen das Parkhaus für eine breitere Nutzergruppe zugänglich und erhöhen die Attraktivität der Innenstadt für Besucher mit eingeschränkter Mobilität.

E-Mobilität und Ladeinfrastruktur

Die Elektromobilität gewinnt zunehmend an Bedeutung, und die Stadtverwaltung Memmingen reagierte darauf. Im Untergeschoss des Parkhauses wurden sechs Ladesäulen für Elektrofahrzeuge installiert. Laut den Quellen war dies zum Zeitpunkt der Eröffnung einmalig in Memmingen. Die Bereitstellung von Lademöglichkeiten an zentralen Parkplätzen ist ein wichtiger Schritt, um die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen zu erhöhen und die Infrastruktur für die Zukunft zu rüsten. Zum Start der neuen Parkhausnutzung wurden die Ladesäulen für einen begrenzten Zeitraum kostenlos angeboten, um die Nutzung zu fördern.

Optische und technische Aufwertung

Neben den strukturellen und funktionalen Verbesserungen wurden auch die Optik und die technische Ausstattung modernisiert.

  • Beleuchtung: Die gesamte Beleuchtung wurde auf LED-Technik umgestellt. Dies führt zu einer deutlichen Energieeinsparung, einer besseren Ausleuchtung der Flächen und erhöht die Sicherheit.
  • Zufahrt und Parkierungssystem: Der Eingangsbereich wurde freundlicher und heller gestaltet. Ein neues Parkierungssystem mit einer modernen Schrankanlage wurde installiert, um den Verkehrsfluss zu optimieren und eine digitale Abrechnung zu ermöglichen.
  • Gesamteindruck: Die Maßnahmen zielten darauf ab, das Gebäude optisch aufzuwerten, um es wieder als modernen und attraktiven Anlaufpunkt für die Innenstadtbesucher zu präsentieren.

Finanzielle Aspekte und Kostenstruktur

Die Generalsanierung des Parkhauses Krautstraße verursachte Gesamtkosten in Höhe von rund 6,7 Millionen Euro. Diese Summe spiegelt den Umfang der notwendigen Arbeiten wider. Ein großer Teil der Kosten entfiel auf die Beseitigung der Schäden an der Bausubstanz, insbesondere auf die Betoninstandsetzung und die Erneuerung der Bodenplatte im dritten Untergeschoss.

Die Investition in die Modernisierung von Bestandsinfrastruktur ist oft eine strategische Entscheidung. Der Neubau eines Parkhauses wäre mit deutlich höheren Kosten verbunden gewesen. Durch die Sanierung konnte die Stadt Memmingen eine wichtige Infrastruktur erhalten und gleichzeitig an die aktuellen Standards anpassen.

Bewältigung der Bauzeit und Auswirkungen auf die Nutzer

Während der 15 Monate dauernden Sanierung fehlte den Innenstadtbesuchern und insbesondere den Wochenmarktbesuchern eine wichtige Parkmöglichkeit. Der Oberbürgermeister bezeichnete die Wiedereröffnung daher als "Festtag". Die Parkhausnutzer und Anwohner mussten erhebliche Beeinträchtigungen und Lärm durch die Bauarbeiten in Kauf nehmen. Das Verständnis und die Kooperation der Anwohner wurden von den Verantwortlichen als wesentlicher Erfolgsfaktor für den rechtzeitigen Abschluss des Projekts gewertet.

Ein interessanter Aspekt im Nutzerverhalten zeigte sich nach der Wiedereröffnung: Nicht alle zuvor im Parkhaus Krautstraße gemieteten Dauerparker kehrten an diesen Standort zurück. Einige Nutzer hatten den Standort am Bahnhof während der Sanierungszeit für sich entdeckt und bevorzugten diesen nun. Insgesamt stehen in den städtischen Parkhäusern und der Tiefgarage Stadthalle nun rund 1.700 Stellplätze zur Verfügung.

Fazit

Die Generalsanierung des Parkhauses Krautstraße in Memmingen ist ein instruktives Beispiel für die Sanierung von Bestandsgebäuden im städtischen Kontext. Das Projekt zeigt, dass eine Sanierung weit über die reine Beseitigung von Schäden hinausgehen kann. Durch die gezielte Integration von Barrierefreiheit und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge wurde die Lebensdauer des Gebäudes verlängert und gleichzeitig die Nutzbarkeit für eine breitere Bevölkerungsgruppe verbessert.

Die Investition von 6,7 Millionen Euro diente nicht nur der Erhaltung der Bausubstanz, sondern auch der Zukunftsfähigkeit der städtischen Infrastruktur. Die Sanierung der Betonsubstanz aufgrund von Chloridschäden war unumgänglich und stellte den finanziell größten Posten dar. Die Optimierung der Technik, des Brandschutzes und der Entwässerung sichert die Betriebssicherheit für die kommenden Jahrzehnte. Für die Stadt Memmingen und ihre Besucher bedeutet die Wiedereröffnung eine Rückkehr einer zentralen und modernisierten Parkmöglichkeit, die nun den aktuellen Anforderungen an Mobilität und Zugänglichkeit gerecht wird.

Quellen

  1. Austrasse-zuerich.ch
  2. Obermeyer-group.com
  3. Kurierverlag.de
  4. Lokale-mm.de

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