Die Soltau Therme stellt ein signifikantes Beispiel für die komplexen Herausforderungen dar, die sich bei der Sanierung und Modernisierung von großen Bade- und Freizeiteinrichtungen ergeben. Während eine umfassende energetische Sanierung und Erweiterung zwischen 2012 und 2014 die Basis für eine moderne Infrastruktur legte, zeigt die aktuelle Situation, dass die spezifischen Anforderungen an Solebäder und die damit verbundene Korrosionstechnik eine kontinuierliche und dringende Aufmerksamkeit erfordern. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Informationen die Planung, Durchführung und die gegenwärtigen technischen Notwendigkeiten im Zusammenhang mit der Soltau Therme.
Die umfassende Modernisierung von 2012 bis 2014
Die energetische Sanierung und Modernisierung der Soltau Therme zwischen Juli 2012 und Juni 2014 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Bades. Mit einem Investitionsvolumen von 8,6 Millionen Euro, realisiert durch die Stadtwerke Soltau GmbH & Co. KG, wurde ein weitreichendes Bauprogramm umgesetzt. Ziel war es, das Bad zu erweitern und technisch auf einen aktuellen Stand zu bringen, um es für die kommenden Jahre fit zu machen.
Planung und Bauausführung im laufenden Betrieb
Ein zentrales Merkmal dieses Projekts war die Durchführung aller Maßnahmen während des laufenden Betriebs. Diese Herausforderung wurde durch eine intelligente Organisation bewältigt. Die Unterteilung des Vorhabens in einzelne, machbare Bauabschnitte wurde als entscheidender Erfolgsfaktor genannt. Es war geplant, dass die Bädegäste trotz des vermeintlichen Bauschmutzes und -lärms in gewohnter Zahl kommen konnten.
Während des durchgehenden Saunabetriebs über den Winter 2012/13 wurde der Umkleide- und Duschbereich des Bades kernsaniert und die alte Schwimmhalle abgebrochen. Ab Mai 2013 folgte der Bau der neuen Schwimmhallen mit einem Cabrio-Dach. Der dritte Bauabschnitt umfasste das Freibad. Diese sequenzielle Vorgehensweise ermöglichte es, den Betrieb aufrechtzuerhalten und dennoch tiefgreifende Veränderungen vorzunehmen.
Erweiterung und technische Daten
Das Raumprogramm wurde deutlich erweitert. Zu den Maßnahmen gehörten die Erweiterung um ein Schwimmbecken, ein Sprungbecken, einen Eltern-Kind-Bereich sowie umfangreiche Umkleiden. Die Verbindung von Alt und Neu geschah über den großzügigen Thermen Plaza, was der gesamten Anlage ein leichtes, helles und richtig proportioniertes Erscheinungsbild verlieh.
Die technischen Daten der Modernisierung geben Aufschluss über das Ausmaß der Baumaßnahmen: * Bebaute Fläche: 3.170,00 m² * Brutto-Rauminhalt: 24.420,00 m³ * Netto-Grundfläche: 4.250,00 m² * Brutto-Grundfläche: 5.160,00 m² * Wasserfläche: 595,00 m²
Diese Daten belegen die signifikanten Veränderungen in der Größe und Struktur der Anlage. Die Investition zielte darauf ab, ein verbessertes Baderlebnis zu bieten und die Soltau-Therme wirtschaftlich und energetisch zu optimieren.
Strategische Entwicklung und Erlebniskonzepte
Parallel zu den baulichen Maßnahmen wurde das Zukunftspotenzial des Themas Sole/Salz strategisch geprüft. Die Beratungsgesellschaft PROFUND Consult prüfte dieses Potenzial und zeigte strategische Entwicklungsperspektiven für den Standort auf. Darauf aufbauend entwickelten Erlebnisarchitekten ein ganzheitliches Erlebnis- und Gestaltungskonzept zum Thema Salz und Heide. Ziel war es, die Besonderheiten der Sole und der Heidekulisse in ein attraktives Badearlebnis zu integrieren. Für die ausgestaltete Planung erstellte PROFUND zudem Besuchsprognosen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Konzepte abzusichern.
Aktuelle Herausforderungen: Der Solebereich
Trotz der umfassenden Modernisierung von 2012 bis 2014 zeigt sich nun, dass insbesondere der Solebereich der Soltau-Therme stark sanierungsbedürftig ist. Das Problem ist langfristig bekannt: Bereits 2021 wurde erstmals über einen Neubau oder eine Modernisierung des Solebereichs gesprochen. Die lange Betriebsdauer von über 30 Jahren hinterlässt deutliche Spuren am Bauwerk, und die Technik ist mittlerweile veraltet.
Die Schließung des Sole-Außenbeckens
Ein sichtbares Zeichen für die Problematik ist die dauerhafte Schließung des Sole-Außenbeckens. Dieses Becken war zuvor ein besonderes Erlebnis, besonders im Winter, wenn die Gäste im warmen Solewasser lagen, während die Luft klirrend kalt war. Die Schließung wurde von den Stadtwerken Soltau notwendig gesehen, da eine „unsichere Sanierungsperspektive“ besteht.
Die Betriebsstörungen haben sich in den letzten Monaten deutlich ausgeweitet. Während der Betrieb zuvor durch laufende Wartungsarbeiten und punktuelle Reparaturen gewährleistet werden konnte, ist dies nun nicht mehr ausreichend. Die Langlebigkeit des Bauwerks und der technischen Anlagen hat ein Ende erreicht.
Technische Ursachen und Korrosionsproblematik
Die spezifischen technischen Probleme sind gravierend. Der Solebereich erreicht nach 35 Jahren das Ende seiner Lebensdauer. Die Herausforderung liegt in der aggressiven Natur der Sole. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Soltau, Daniel Töpfer, beschreibt die Situation als existenziell für den Schwimmspaß im besonders warmen Salzwasser. Die Korrosion, hervorgerufen durch die Sole, greift alle Komponenten an: Rohre, Turbinen und Filter.
Ein entscheidendes Problem ist die Bauweise des Gebäudes. Der Solebereich befindet sich in einem verbauten und verwinkelten Keller. Diese Enge und Komplexität machen Austausch oder Modernisierung extrem schwierig. Es gibt keine einfachen Zugänge, um defekte Teile zu ersetzen. Die Sorge der Betreiber ist allgegenwärtig: „Wir haben jeden Tag die Sorge, dass uns die Technik im Keller zusammenfällt und nicht mehr zu reparieren ist.“
Veraltete Überwachung und politische Reaktionen
Es wurden bereits Versuche unternommen, die Situation zu managen. Ein Überwachungssystem wurde installiert, um die Gebäudestruktur im Blick zu behalten, ist inzwischen jedoch wieder abgebaut worden. Die Notwendigkeit zum Handeln wird als dringend eingestuft. Der Soltauer Stadtrat hat sich der Thematik angenommen. Nach einer Klausur im Juni folgte im September ein Grundsatzbeschluss, dass die Stadtwerke die Projektleitung für das Vorhaben übernehmen. Ziel ist es, „Nägel mit Köpfen zu machen“.
Instandhaltung und Wartung der Schwimmbecken
Neben den großen strukturellen Sanierungen sind auch die Routinearbeiten für den reibungslosen Betrieb entscheidend. Im Dezember fanden umfangreiche Reinigungs- und Reparaturarbeiten an den Schwimmbecken statt. Diese Maßnahmen unterstreichen die Notwendigkeit kontinuierlicher Pflege, um ein sauberes und einwandfreies Badeerlebnis zu gewährleisten.
Zeitintensive Pflegearbeiten
Die Arbeiten erforderten eine vollständige Entleerung der Becken. Dieser Prozess ist extrem zeitaufwändig, um Schäden an den Beckenkörpern zu vermeiden. Der Druckausgleich muss langsam erfolgen; der Wasserspiegel darf pro Stunde nur um fünf Zentimeter reduziert werden. Für das Sprungbecken mit einer Tiefe von vier Metern bedeutet dies einen Zeitaufwand von jeweils 80 Stunden zum Entleeren und Wiederbefüllen.
Während der Entleerung werden beschädigte Fliesen getauscht und Fugen erneuert. Anschließend folgt eine gründliche Reinigung der Beckenkörper, Bodenflächen, Fensterfronten sowie der Dusch- und WC-Bereiche durch das eigene Therme-Team. Auch die Umkleideschränke werden gereinigt. Zusätzlich werden umfangreiche Unterhaltungs- und Pflegemaßnahmen an den technischen Anlagen im gesamten Untergeschoss durchgeführt, um deren einwandfreien Betrieb zu gewährleisten.
Fazit
Die Soltau Therme befindet sich in einer Phase der Transformation. Die Modernisierung von 2012 bis 2014 hat die Infrastruktur grundlegend erneuert und durch eine kluge Bauausführung den Betrieb aufrechterhalten. Die Investition von 8,6 Millionen Euro in Schwimmhallen, Sprungbecken und Freibad sowie die strategische Ausrichtung auf das Thema Salz und Heide haben die Attraktivität der Anlage gestärkt.
Dennoch offenbaren die aktuellen Entwicklungen die Grenzen dieser Sanierung, soweit sie den Solebereich betrifft. Die Korrosionsproblematik durch das aggressive Salzwasser stellt eine technische Herausforderung dar, die durch die beengten und verwinkelten Kellerstrukturen zusätzlich erschwert wird. Die Schließung des Sole-Außenbeckens und die Warnungen vor dem Zusammenbruch der Technik im Keller unterstreichen die Dringlichkeit einer erneuten, tiefgreifenden Sanierung oder eines Neubaus in diesem Bereich.
Für Bauherren, Planer und Betreiber von ähnlichen Einrichtungen liefert der Fall Soltau wichtige Erkenntnisse: Energetische Sanierungen und Erweiterungen sind notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Jedoch müssen bei der Planung von Anlagen mit speziellen Medien wie Sole die langfristigen Auswirkungen der Korrosion und die Wartbarkeit der technischen Installationen im Vordergrund stehen. Die Entscheidung des Stadtrats, die Stadtwerke mit der Projektleitung für den Sole-Neubau zu beauftragen, ist ein notwendiger Schritt, um den Fortbestand dieses bedeutenden Wirtschaftsfaktors für die Region zu sichern. Die Zukunft der Soltau Therme hängt nun von einer Lösung ab, die die spezifischen Anforderungen der Soletechnik in den kommenden Jahrzehnten nachhaltig bewältigt.