Hallenbad Sonnenberg: Von der maroden Anlage zum nachhaltigen Neubau in Stuttgart

Einleitung

Das Hallenbad Sonnenberg in Stuttgart steht seit fast fünf Jahrzehnten als zentraler Ort für Schwimmen, Schul- und Vereinssport sowie Freizeitaktivitäten im Fokus der städtischen Infrastruktur. Nachdem das Gebäude trotz einer Sanierung im Jahr 2017 sowohl bautechnisch als auch gebäudetechnisch in einem desolaten Zustand verbleibt, hat die Stadt Stuttgart eine wegweisende Entscheidung getroffen: Statt einer weiteren Sanierung soll das marode Gebäude durch einen vollständigen Neubau ersetzt werden. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe des Projekts, den gestarteten Architekturwettbewerb, die ausgewählten Lösungskonzepte sowie die Herausforderungen bei der Realisierung dieses bedeutungsstarken Vorhabens für die Stuttgarter Bevölkerung.

Historische Entwicklung und aktueller Zustand

Das Hallenbad Sonnenberg wurde 1975 bzw. 1976 als klassisches Funktionshallenbad für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit erbaut. Seitdem hat es sich zu einem unersetzlichen Bestandteil der städtischen Sport- und Freizeiteinrichtungen entwickelt. Die ursprüngliche Anlage umfasst ein 25-Meter-Mehrzweckbecken mit fünf Bahnen und Startblöcken, ein separates Springerbecken mit Sprunganlage (5m-, 3m- und 1m-Brett), ein Nichtschwimmerbecken sowie einen kleinen Kinderbereich. Ein kleiner Außenbereich ergänzt das Angebot.

Trotz einer umfassenden Sanierung im Jahr 2017 befindet sich das Gebäude nach wie vor in einem kritischen Zustand. Fachexperten beurteilen die Situation eindeutig: Eine weitere Sanierung wird als unwirtschaftlich angesehen. Die Bewertung der Fachexperten ist eindeutig: Eine weitere Sanierung wird als unwirtschaftlich angesehen. Die technische Ausstattung, einschließlich der badewasserspezifischen Anlagen, ist komplett erneuerungsbedürftig. Das Gebäude, das größtenteils im Originalzustand aus den 70er Jahren erhalten ist, weist erhebliche strukturelle und technische Mängel auf.

Die Bedeutung des Bades für die Stadt Stuttgart ist unverkennbar. Es erfüllt mit seinen Wasserbelegungszeiten und Schwimmkursen wichtige Funktionen für die Versorgung von Schulen, Vereinen und dem öffentlichen Badepublikum. Für die umliegenden Stadtteile wie Degerloch und Möhringen stellt das Hallenbad eine zentrale Anlaufstelle dar. Die hohe Auslastung in der Vergangenheit belegt den Bedarf an einer solchen Einrichtung.

Entscheidung für den Neubau statt Sanierung

Die Entscheidung gegen eine weitere Sanierung und für einen vollständigen Neubau basiert auf einer fundierten wirtschaftlichen Analyse und den Möglichkeiten, moderne Nachhaltigkeitsstandards umzusetzen. Die Stadt Stuttgart hat erkannt, dass eine erneute Sanierung des maroden Gebäudes aus den 70er Jahren nicht nur wirtschaftlich unrentabel wäre, sondern auch die Chance verpassen würde, eine zeitgemäße, nachhaltige und zukunftsfähige Sportstätte zu schaffen.

Ein wichtiger Aspekt der Entscheidung war die energetische Ineffizienz des Bestandsgebäudes. Bürger hatten bereits 2013 in einem Vorschlag zum Bürgerhaushalt darauf hingewiesen, dass zunächst mit der Technik begonnen werden sollte – Heizung, Wassererwärmung, Wärmedämmung etc. Durch diese Energieersparnis hätte sich die weitere Sanierung möglicherweise selbst finanziert. Allerdings erwies sich diese Herangehensweise als nicht zielführend, da der bauliche Zustand des Gebäudes eine grundlegende Erneuerung erfordert hätte.

Der Bezirksbeirat Möhringen hatte den Vorschlag zur Sanierung bereits 2013 als dringlich eingestuft und in seine Wunschliste aufgenommen. Neben den notwendigen Sanierungsmaßnahmen am und im Gebäude wurde insbesondere auf die energetische Konzeption Wert gelegt. Die Bürgerkommentare der Zeit unterstreichen die Dringlichkeit des Vorhabens und weisen auf konkrete Probleme wie die "ausgelaugten, wenig appetitilich anmutenden Kabinen und Spinte" sowie Probleme mit der Sauberkeit und Reinlichkeit hin – Aspekte, die in einem Schwimmbad von zentraler Bedeutung sind.

Architekturwettbewerb und Siegerentwurf

Für den Neubau des Hallenbads Sonnenberg hat die Stadt Stuttgart einen nicht offenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, für den insgesamt 20 Teilnehmende Arbeiten eingereicht haben. Die Jury, bestehend aus Fachleuten, Vertretern des Gemeinderats und der Verwaltung, tagte am 7. Mai 2025 unter dem Vorsitz von Frau Professor Christa Reicher.

Der Wettbewerb umfasste den Neubau eines Funktionshallenbads mit zwei 25-Meter-Schwimmbecken, einem Sprungbecken für Einzel- und Synchronspringen sowie einem Kinder- und Planschbecken in akustisch getrennten Bereichen. Ziel war es, eine parallele, ganzjährig an allen Wochentagen stattfindende Nutzung für Schul- und Vereinssport sowie öffentliches Badepublikum zu ermöglichen.

Der erste Preis wurde an das Stuttgarter Büro a+r Architekten vergeben. Ihr Entwurf überzeugte die Jury durch eine klare Struktur, nachhaltige Bauweise und gelungene Einbindung in die Umgebung. Professorin Reicher würdigte den Siegerentwurf mit folgenden Worten: "Der erste Preis für das Hallenbad Sonnenberg geht äußerst überzeugend und kreativ mit den Herausforderungen um, indem der Ersatzneubau sich gut in die Nachbarschaft einfügt, eine attraktive 'Wasserlandschaft' im Inneren schafft und die Zukunftsaspekte des Bauens klug in den Entwurf integriert."

Der zweite Preis ging an Sacker Architekten GmbH aus Freiburg, der dritte Preis an Fritz Planung GmbH aus Bad Urach. Zwei Anerkennungen wurden für die Arbeiten von AEP Architekten Eggert Generalplaner mit Schulitz Architekten GmbH, Stuttgart, und Lehmann Architekten GmbH BDA-DWB, Offenburg, ausgesprochen.

Merkmale des Siegerentwurfs

Der prämierte Entwurf von a+r Architekten zeichnet sich durch mehrere überzeugende Merkmale aus, die sowohl architektonische Qualität als auch Nachhaltigkeit vereinen:

Struktur und Materialwahl - Klare Holzbaukonstruktion im Badebereich, die für eine angenehme Atmosphäre sorgt - Verwendung von Recyclingbeton im Untergeschoss, der nachhaltige Bauweise demonstriert - Durchdachte räumliche Organisation, die eine effiziente Trennung der verschiedenen Nutzungen ermöglicht

Energiekonzept - Der Entwurf entspricht den hohen klimapolitischen Zielen der Stadt Stuttgart - Ein durchdachtes Energiekonzept soll den Betrieb des neuen Bades nachhaltig gestalten - Integration modernster Technologien zur Energieeffizienz

Integration in die Umgebung - Das Gebäude verzahnt sich fließend mit der Umgebung - Angemessene Reaktion auf sowohl Innen- als auch Außenraumanforderungen - Schaff einer attrakten 'Wasserlandschaft' im Inneren

Funktionalität - Trennung der Bereiche für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit ermöglicht einen effizienten Betrieb - Familienfreundliche Ausstattung macht das Bad zu einem attraktiven Freizeitzentrum - Akustisch getrennte Bereiche für einen parallelen Betrieb verschiedener Nutzergruppen

Zeitplan und Umsetzung

Die Realisierung des neuen Hallenbads Sonnenberg ist für den Zeitraum von 2029 bis 2032 geplant. Dieser Zeitplan berücksichtigt die notwendigen Planungsphasen, Ausschreibungsverfahren und die eigentliche Bauphase. Die lange Vorlaufzeit ist notwendig, um die komplexen Anforderungen des Projekts, insbesondere im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsziele und die BIM-Planungsmethode, umsetzen zu können.

In den kommenden Jahren wird das gewählte Architekturbüro die Planung vertiefen und die Details des Entwurfs ausarbeiten. Dabei wird die BIM-Methode (Building Information Modeling) konsequent eingesetzt, um eine präzise und fehlerfreie Planung zu gewährleisten. Diese digitale Planungsmethode ermöglicht eine effiziente Koordination der verschiedenen Gewerke und eine hohe Planungsqualität.

Die prämierten Entwürfe wurden vom 13. bis 15. Mai 2025 im Sportbad NeckarPark öffentlich ausgestellt, um der Bürgerschaft die Möglichkeit zu geben, sich über die geplanten Neuerungen zu informieren. Diese Transparenzmaßnahme unterstreicht die Bedeutung des Projekts für die Stuttgarter Bevölkerung.

Kosten und Finanzierung

Die Realisierung des Neubaus erfordert erhebliche finanzielle Mittel. Die geschätzten Baukosten liegen im Bereich von rund 38,7 Millionen Euro (Stand: 2021). Andere Quellen nennen eine Mindestsumme von 40 Millionen Euro. Diese Summe wird im weiteren Verlauf der Planung noch final berechnet und angepasst können.

Die Stadt Stuttgart steht vor der Herausforderung, angesichts allgemeiner Sparmaßnahmen im Haushalt die notwendigen Finanzen für dieses Projekt zu mobilisieren. Die hohe Investitionssumme stellt die Stadt vor erhebliche finanzielle Herausforderungen, insbesondere in einer Zeit, in der der kommunale Haushalt unter Druck steht.

Die Bedeutung des Projekts für die Stadt übersteigt jedoch reine finanzielle Überlegungen. Das Hallenbad Sonnenberg hat für die Stadt Stuttgart eine besondere Bedeutung, die weit über die reine Sportfunktion hinausgeht. Es ist ein wichtiger Beitrag zur Lebensqualität und zur Sportförderung in der Stadt. Die Investition in den Neubau kann daher als langfristige Investition in die Zukunft Stuttgarts betrachtet werden.

Bedeutung für Stuttgart

Das Hallenbad Sonnenberg hat für die Stadt Stuttgart eine besondere Bedeutung, die weit über die reine Sportfunktion hinausgeht. Es erfüllt wichtige soziale und kulturelle Funktionen:

Sportförderung - Wichtige Einrichtung für das Schulschwimmen - Trainingsstätte für verschiedene Schwimm- und Sportvereine - Förderung des Breiten- und Leistungssports

Familienfreundlichkeit - Attraktives Angebot für Familien mit Kindern - Gewährleistung eines familienfreundlichen Angebots in Stuttgart - Bereitstellung eines sicheren und ansprechenden Umfelds für Freizeitaktivitäten

Soziale Funktion - Treffpunkt für verschiedene Bevölkerungsgruppen - Beitrag zum sozialen Zusammenleben in den Stadtteilen - Gewährleistung des Zugangs zu sportlichen Aktivitäten für alle Bürger

Die Realisierung des Neubaus wird die städtische Infrastruktur nachhaltig verbessern und den Bürgerinnen und Bürgern von Stuttgart sowie den umliegenden Stadtteilen eine hochwertige Sport- und Freizeiteinrichtung bieten. Angesichts der Bedeutung des Bades für die Sportförderung und die Familienfreundlichkeit der Stadt ist der Neubau eine wichtige Investition in die Lebensqualität Stuttgarts.

Fazit

Das Hallenbad Sonnenberg steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Angesichts des desolaten baulichen Zustands und der Unwirtschaftlichkeit einer weiteren Sanierung hat sich die Stadt Stuttgart für einen Ersatzneubau entschieden. Der Architekturwettbewerb hat mit dem Stuttgarter Büro a+r Architekten einen Siegerentwurf ermittelt, der durch nachhaltige Bauweise, innovative Gestaltung und gute Integration in die Umgebung überzeugt.

Der neue Entwurf bietet die Möglichkeit, nicht nur die technischen Mängel des alten Bades zu beheben, sondern auch die Anforderungen an moderne Schwimmbäder zu erfüllen. Die Trennung der Bereiche für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit ermöglicht einen effizienten Betrieb, während die familienfreundliche Ausstattung das Bad zu einem attraktiven Freizeitzentrum macht.

Dennoch bleibt die größte Herausforderung die Finanzierung des Projekts, das mit Kosten von mindestens 38,7 bis 40 Millionen Euro veranschlagt ist. Angesichts der Haushaltsnotlage der Stadt ist ungewiss, wann und ob der Neubau tatsächlich realisiert werden kann. In der Zwischenzeit bleibt das marode Hallenbad für die Bevölkerung geöffnet und erfüllt weiterhin wichtige Funktionen für Sport, Freizeit und soziales Miteinander in Stuttgart.

Das Projekt zeigt die Herausforderungen, vor denen Städte bei der Erneuerung ihrer öffentlichen Infrastruktur stehen, insbesondere bei historisch gewachsenen Gebäuden, die zwar einen hohen kulturellen und sozialen Wert besitzen, aber technisch und wirtschaftlich nicht mehr zu halten sind. Der nachhaltige Neubau des Hallenbads Sonnenberg könnte jedoch ein Leuchtturmprojekt für moderne, zukunftsfähige öffentliche Bauten in Stuttgart werden.

Quellen

  1. Hallenbad Sonnenberg - Neubau statt Sanierung
  2. Stadt Stuttgart - Hallenbad Sonnenberg
  3. Bürgerhaushalt Stuttgart - Vorschlag Hallenbad Sonnenberg
  4. Hallenbad Sonnenberg - Sanierung oder Neubau
  5. Wettbewerbsergebnis Neubau Hallenbad Sonnenberg
  6. Neubau Hallenbad Sonnenberg - nachhaltiger Entwurf prämiert

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