Von der Sanierung zum Neubau: Der Wandel des Azur-Bads in Ramstein-Miesenbach

Einleitung

Das Freizeitbad Azur in Ramstein-Miesenbach, eröffnet 1991, steht angesichts alternder Technik und gestiegener Kosten vor grundlegenden Entscheidungen. Ursprünglich war eine Generalsanierung mit Kosten von bis zu 32 Millionen Euro geplant, doch diese Variante erwies sich für die Kommune als nicht finanzierbar. Stattdessen entschied sich die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach in Zusammenarbeit mit dem Land Rheinland-Pfalz für eine umfassende Neuausrichtung des Projekts: ein vollständiger Neubau eines überdachten 50-Meter-Beckens mit moderner, wasserdichter Bauweise. Die Kosten für diese Variante liegen bei etwa 20 Millionen Euro, und der Landeshaushalt sichert bis zu vier Millionen Euro an Fördermitteln. Das bestehende Bad bleibt während der Bauarbeiten weiterhin nutzbar, und die offizielle Fertigstellung des Neubaus ist für 2028 geplant.

Dieser Artikel beleuchtet den Hintergrund, die Herausforderungen und die Schlüsselentscheidungen, die zu diesem Wechsel der Planung führten. Zudem wird der Planungsprozess sowie die technischen und wirtschaftlichen Aspekte des Projekts detailliert dargestellt, um eine klare und fachliche Übersicht für Interessierte aus der Region und darüber hinaus zu geben.

Historischer Hintergrund und Ausgangssituation

Das Freizeitbad Azur wurde 1991 eröffnet und war damals als Hallenbad konzipiert. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Anlage als zentraler Freizeitort für die Region etabliert. Allerdings hat die Zeit die technischen und infrastrukturellen Grenzen der Anlage deutlich sichtbar gemacht. Die Technik des Bades ist mittlerweile über 30 Jahre alt, und die täglichen Wasserverluste im Außenbecken belaufen sich auf 70.000 bis 80.000 Liter, was den Wartungsaufwand und die Kosten erheblich erhöht.

Vor etwa fünf Jahren, also um 2017, lag erstmals eine Machbarkeitsstudie vor, die eine umfassende Generalsanierung unter Berücksichtigung der damaligen Marktsituation beinhaltete. Die geplanten Kosten lagen damals bei etwa 20 Millionen Euro. Doch in den folgenden Jahren stiegen die Preise für Material und Personal so stark an, dass die Kosten auf 32 Millionen Euro anstiegen. Da die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach als alleiniger Träger des Bades nicht in der Lage war, diese Kosten zu stemmen, wurde eine Neuausrichtung des Projekts notwendig.

Planungsprozess und Entscheidungsfindung

Erste Planungsaufträge und Verantwortliche

Im Zuge der Machbarkeitsstudie und der daraus resultierenden Planungsphase wurden erste Planungsaufträge vergeben. Die Fachplanung für die technische Ausrüstung übernimmt das Ingenieurbüro Möller + Meyer GmbH aus Gotha, während die Objektplanung Gebäude sowie die Tragwerksplanung durch das Büro Krieger Architekten Ingenieure aus Velbert erfolgen. Die Kosten für die technische Planung belaufen sich auf etwa 190.000 Euro, während die Gebäudeplanung mit ca. 557.000 Euro veranschlagt wird.

Diese Planungsphasen sind entscheidend, um sicherzustellen, dass das neue Projekt den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz, Nutzerfreundlichkeit und Nachhaltigkeit gerecht wird. Die Kosten für die Planung sind bereits in das Gesamtvolumen von 20 Millionen Euro eingepreist, was zeigt, dass die Verbandsgemeinde die Bedeutung einer sorgfältigen Vorbereitung erkannt hat.

Anpassung der Planungsvariante

Die Entscheidung, von einer Generalsanierung hin zu einem Neubau zu wechseln, war nicht leicht. Sie basierte auf einer gründlichen Wirtschaftlichkeitsberechnung, die von der Verbandsgemeinde in Auftrag gegeben wurde. Nachdem Innenminister Michael Ebling (SPD) das Azur-Bad besucht und sich über die Herausforderungen informiert hatte, wurde eine alternative Planungsvariante vorgestellt, die kleiner, preiswerter und technisch moderner ist.

Diese Variante sieht einen Neubau mit einem überdachten 50-Meter-Becken vor, der auf modernste Bau- und Sanierungstechniken zurückgreift. Der Neubau wird auf dem Gelände des heutigen Freizeitbades errichtet, wobei das bestehende Hallenbad zurückgebaut wird. Eine große Fensterfront und ein direkter Zugang zur Liegewiese sind Teil der Planung, was die Attraktivität und Nutzbarkeit des Bades deutlich erhöhen wird. Zudem wird das Dach des 50-Meter-Beckens so konzipiert, dass es im Sommer geöffnet werden kann, was für mehr Flexibilität und Nutzerkomfort sorgt.

Finanzierung und Förderung

Ein entscheidender Faktor für die Umsetzung des Projekts war die Finanzierung. Die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach war anfangs nicht in der Lage, den Eigenanteil für die ursprüngliche Sanierungsvariante zu leisten, da die Kosten von 20 auf 32 Millionen Euro angestiegen waren. Allerdings stellte das Land Rheinland-Pfalz Fördermittel in Höhe von bis zu 3 Millionen Euro zur Verfügung. Dies erwies sich als unzureichend, da der Eigenanteil für die Kommune zu hoch war.

Nachdem der Innenminister ein alternatives Konzept in Betracht gezogen hatte, wurde eine kleinere Planungsvariante erstellt, die mit 20 Millionen Euro veranschlagt wird. Für diese Variante stellte das Land bis zu 4 Millionen Euro an Fördermitteln in Aussicht. Dieser Betrag ermöglichte es der Verbandsgemeinde, den Eigenanteil mit eigenen Mitteln und Krediten abzudecken. Der Bürgermeister Ralf Hechler (CDU) betont, dass diese Finanzierungssicherheit ein entscheidender Schritt war, um das Projekt weiterzubringen.

Kreditfinanzierung und Eigenkapital

Neben den Fördermitteln und dem Eigenkapital der Verbandsgemeinde wird auch Kreditfinanzierung eingesetzt, um die restlichen Mittel abzudecken. Der Bürgermeister bestätigte, dass mehr als fünf Millionen Euro an Eigenkapital vorhanden sind, und der Restbetrag wird über Kredite finanziert. Dies zeigt, dass die Kommune bereit ist, auch in finanziell anspruchsvollen Zeiten kluge Entscheidungen zu treffen, um langfristige Vorteile für die Bevölkerung zu schaffen.

Technische Aspekte und Planungsdetails

Modernisierung der Technik

Die Technik des alten Bades war nachweislich altersschwach, und die täglichen Wasserverluste im Außenbecken konnten nicht mehr behoben werden. Der Neubau wird daher auf modernste Technik zurückgreifen, die Wasserverluste minimiert und Energieeffizienz maximiert. Ein wasserdichtes Beckenkonzept ist zentraler Bestandteil der Planung, und auch die Heiz- und Filtertechnik wird auf aktuelle Standards gebracht. So kann das neue Bad nicht nur als Erholungs- und Sportort dienen, sondern auch als Modell für nachhaltige Bauweise in der Region.

Architektur und Nutzerfreundlichkeit

Der Neubau des Azur-Bads wird eine moderne und funktionale Architektur mit hoher Nutzerfreundlichkeit bieten. Das überdachte 50-Meter-Becken ist der zentrale Baustein der neuen Anlage, und die Planung sieht einen direkten Zugang zur Liegewiese vor. Eine große Fensterfront wird für Tageslicht und eine offene Atmosphäre sorgen, und das Dach des Beckens kann im Sommer geöffnet werden, was die Nutzung des Geländes optimiert. Zudem ist ein sogenannter „Hub-Boden“ vorgesehen, der die Reinigung und Wartung des Beckens vereinfacht und den Nutzerkomfort erhöht.

Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit

Die Planung des Azur-Bads legt auch einen starken Fokus auf Nachhaltigkeit. Moderne Energiekonzepte, wie Wärmepumpentechnologie und energieeffiziente Beleuchtung, sind Teil des Projekts. Zudem wird ein konsequenter Umgang mit Ressourcen angestrebt, was nicht nur den Betreibern, sondern auch den Nutzern Vorteile bietet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Einhaltung der geltenden Umwelt- und Emissionsvorschriften, was den langfristigen Betrieb des Bades sichert.

Wirtschaftliche und soziale Auswirkungen

Wirtschaftlicher Nutzen für die Region

Das Azur-Bad ist nicht nur ein Freizeitort, sondern auch ein wirtschaftlicher Ankerpunkt für die Region. Der Neubau wird neue Arbeitsplätze schaffen, insbesondere in den Bereichen Bau, Betrieb und Service. Zudem wird das neue Bad für Touristen attraktiver, was den regionalen Tourismus ankurbeln kann. Die Investition in moderne Infrastruktur ist somit nicht nur eine lokale, sondern auch eine regionale Notwendigkeit.

Soziale und kulturelle Bedeutung

Das Azur-Bad spielt eine zentrale Rolle im sozialen und kulturellen Leben der Region. Es ist nicht nur ein Ort für sportliche Aktivitäten, sondern auch für Familien, Vereine und kulturelle Veranstaltungen. Der Neubau wird sicherstellen, dass diese Funktionen auch in Zukunft gewährleistet sind und dass das Bad für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich und erschwinglich bleibt. Die Planung berücksichtigt auch barrierefreie Zugänge und familienfreundliche Einrichtungen.

Zeitplan und Baubeginn

Aktueller Stand der Planung

Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass der Verbandsgemeinderat im zweiten Halbjahr 2024 über die Entwurfsplanung entscheiden wird. Bis zum Frühjahr 2025 soll der Planungsteil abgeschlossen sein. Der Baubeginn ist für 2025 geplant, wobei das bestehende Bad während der Bauarbeiten weiterhin genutzt werden kann. Die Fertigstellung des Neubaus ist für 2028 vorgesehen.

Bauplanung und Ablauf

Die Bauplanung ist eng mit den Planungsbüros abgestimmt, um mögliche Verzögerungen zu minimieren. Der Neubau wird in mehreren Phasen realisiert, wobei die Rückbauarbeiten des alten Hallenbads parallel zur Errichtung des neuen Beckens und der Umkleidebereiche durchgeführt werden. Die Kommune hat zudem darauf hingewiesen, dass die Baunebenkosten in die Kostenschätzung einfließen, was die Transparenz des Projekts gewährleistet.

Fazit

Die Generalsanierung des Azur-Bads in Ramstein-Miesenbach hat sich als technisch und wirtschaftlich nicht mehr tragbare Variante erwiesen. Stattdessen hat sich die Verbandsgemeinde in Zusammenarbeit mit dem Land Rheinland-Pfalz für einen Neubau entschieden, der modern, wasserdicht und finanzierbar ist. Die Kosten für das Projekt liegen bei 20 Millionen Euro, wovon bis zu 4 Millionen Euro durch Fördermittel abgedeckt werden. Der Baubeginn ist für 2025 geplant, und die Fertigstellung für 2028. Das neue Bad wird nicht nur eine bessere Ausstattung bieten, sondern auch langfristig für einen nachhaltigen Betrieb sorgen und einen attraktiven Freizeitort für die Region schaffen.

Mit dieser Entscheidung hat die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach gezeigt, dass sie in der Lage ist, auch in schwierigen finanziellen Zeiten kluge Entscheidungen zu treffen – im Interesse der Bevölkerung und der langfristigen Qualität ihrer öffentlichen Einrichtungen.

Quellen

  1. Azur Bad in Ramstein-Miesenbach: Sanierung im Wandel von Generalrenovierung zum Neubau
  2. Vom Sanierungsfall zum Neubau – Die Transformation des Freizeitbads Azur in Ramstein-Miesenbach
  3. Land Rheinland-Pfalz wird Sanierung des Azur-Bades in Ramstein-Miesenbach unterstützen
  4. Vom Sanierungsplan zur Neubau-Lösung – Das Freizeitbad Azur in Ramstein-Miesenbach
  5. Neues Kapitel für das Azur: Verbandsgemeinde stellt Weichen
  6. Es gibt Bewegung in Sachen Sanierung Azur
  7. Neubau von Freizeitbad Azur startet 2025: Dach kann geöffnet werden

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