Die Sanierung des Azur-Bads in Ramstein-Miesenbach: Von der Generalrenovierung zum Neubau

Einführung

Das Azur-Bad in Ramstein-Miesenbach ist ein langfristig geplantes Projekt, das in den letzten Jahren sowohl in der regionalen Presse als auch in politischen Diskussionen immer wieder in den Mittelpunkt trat. Ursprünglich war eine umfassende Generalsanierung geplant, doch aufgrund steigender Kosten und finanzieller Engpässe wurde die Planung mehrfach überarbeitet und schließlich in Richtung eines vollständigen Neubaus verändert. Die neueste Variante sieht die Errichtung eines überdachten 50-Meter-Beckens auf der Liegewiese des bestehenden Bades vor. Diese Entscheidung wurde ermöglicht durch grünes Licht von Seiten des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, das bis zu vier Millionen Euro an Fördermitteln in Aussicht gestellt hat.

In diesem Artikel wird der Entwicklungsprozess der Sanierung des Azur-Bads detailliert dargestellt. Die Diskussionen um die finanzielle Umsetzbarkeit der ursprünglichen Planung, die Kostenentwicklung, die Beteiligung von Ingenieurbüros an der Planung sowie die aktuelle Form des Projekts werden vorgestellt. Zudem wird auf die rechtlichen und administrativen Hintergründe sowie die zukünftige Nutzung des Areals nach Abschluss des Projekts eingegangen.

Hintergrund: Das Azur-Bad in Ramstein-Miesenbach

Das Azur-Bad in Ramstein-Miesenbach wurde 1991 eröffnet und ist seitdem eine zentrale Einrichtung für Freizeit, Sport und Bildung in der Region. Mit der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass die Technik und Infrastruktur des Bades stark in die Jahre gekommen waren. Besonders dringend wurde eine Sanierung aufgrund von Leckagen im großen Außenbecken, die täglich 70.000 bis 80.000 Liter Wasser verloren, eingefordert. Zudem entsprach das Gebäude nicht mehr den heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit, Energieeffizienz und Nutzerkomfort.

Die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach, als alleiniger Träger des Bades, sah sich daher in der Verantwortung, eine langfristige Lösung zu finden. In einer Machbarkeitsstudie von 2015 wurde eine Generalsanierung als erste Option diskutiert. Die Kosten für die Sanierung stiegen jedoch rasch an – von ursprünglich 20 Millionen Euro auf schließlich 32 Millionen Euro. Da das Land Rheinland-Pfalz bislang lediglich 3 Millionen Euro an Fördermitteln bereitgestellt hatte, war die Finanzierung für die Kommune nicht tragbar.

Von der Generalsanierung zum Neubau

Die Kostenentwicklung führte schließlich zu einer grundlegenden Neuausrichtung des Projekts. Im Sommer des vergangenen Jahres besuchte Innenminister Michael Ebling das Azur-Bad und forderte die Erstellung einer alternativen Planung. Diese Variante sollte kostengünstiger und realisierbarer sein. Auf dieser Grundlage wurde ein neues Konzept entwickelt, das auf einem Neubau statt einer Generalrenovierung basiert.

Die neue Planung sieht die Errichtung eines überdachten 50-Meter-Beckens auf der Liegewiese des bestehenden Bades vor. Dieses Becken wird mit einem sogenannten „Cabrio-Dach“ ausgestattet, das sich im Sommer öffnen lässt, um eine natürliche Belüftung und Klimaregulierung zu ermöglichen. Zudem ist ein großer Fensterbereich vorgesehen, der direkten Zugang zur Liegewiese erlaubt. Der alte Hallenbereich wird zurückgebaut, sodass der neue Neubau die Funktionen des bestehenden Bades übernehmen kann.

Die neue Planung wurde von Seiten des rheinland-pfälzischen Innenministeriums positiv bewertet. Staatsminister Michael Ebling gab grünes Licht für die „Neuausrichtung der Generalsanierung“ und stellte zusätzliche Fördermittel in Höhe von bis zu 4 Millionen Euro in Aussicht. Diese Zusage ermöglichte die Weiterentwicklung der Planung und den Beginn der detaillierten Entwurfsarbeiten.

Kostenentwicklung und Finanzierung

Die Kostenentwicklung war einer der entscheidenden Faktoren für die Umplanung des Projekts. Die ursprüngliche Generalsanierung hätte insgesamt 32 Millionen Euro gekostet, wobei das Land lediglich 3 Millionen Euro an Fördermitteln bereitgestellt hatte. Der Eigenanteil der Kommune wäre daher auf über 28 Millionen Euro angestiegen, was für eine kleine Kommune wie Ramstein-Miesenbach nicht tragbar war.

Die neue Planung reduziert die Baukosten auf ca. 20 Millionen Euro, wobei die Fördermittel des Landes weiterhin für die neue Variante in Anspruch genommen werden können. Zudem ist geplant, dass die Stadt Ramstein-Miesenbach sich mit rund zehn Prozent an den Kosten beteiligen könnte, wodurch der Eigenanteil der Verbandsgemeinde verringert wird. Für den Rest der Finanzierung ist ein langfristiger Kredit vorgesehen, der bereits die Zustimmung der Kommunalaufsicht erhalten hat.

Ein weiterer Finanzierungsansatz ist der Förderverein für das Azur-Bad, der im Oktober 2024 gegründet wurde. Vorsitzender ist Gerd Backhaus, sein Stellvertreter Peter Cammisar. Der Verein hat zum Ziel, das Projekt finanziell und ideell zu unterstützen, beispielsweise durch Spendenaktionen oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Obwohl der Verein vermutlich keine sehr hohen Beträge generieren wird, ist er ein wertvoller Beitrag zur Finanzierung und zum Gemeinschaftsgefühl um das Projekt.

Planung und Umsetzung

Die Planung des neuen Bades wird in mehreren Phasen durchgeführt. Die ersten Planungsaufträge wurden bereits vergeben. Das Ingenieurbüro Möller + Meyer GmbH aus Gotha übernimmt die fachliche Planung der technischen Ausrüstung, während das Büro Krieger Architekten Ingenieure aus Velbert für die Objektplanung und Tragwerksplanung zuständig ist. Die Kosten für die technische Planung belaufen sich auf etwa 190.000 Euro, die Gebäudeplanung auf 557.000 Euro. Beide Institute arbeiten eng mit dem Bäderausschuss und dem Rat der Verbandsgemeinde zusammen, um die Planung innerhalb der finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu gestalten.

Der Bauzeitplan sieht einen symbolischen Spatenstich im Jahr 2026 vor. Die Entwurfsplanung soll im zweiten Halbjahr 2025 abgeschlossen werden, und der Verbandsgemeinderat wird in dieser Zeit über die Planung entscheiden. Der Neubau des Bades ist für 2028 vorgesehen, wodurch der Badebetrieb im alten Azur-Bad bis zur Eröffnung des neuen Bades weiterlaufen kann. Danach wird das alte Hallenbad abgerissen, und die Fläche für zukünftige Nutzungsoptionen bleibt offen.

Technische und rechtliche Aspekte

Die technischen Herausforderungen der Sanierung sind erheblich. Das bestehende Becken verliert täglich 70.000 bis 80.000 Liter Wasser, was auf erhebliche Leckagen und altersbedingte Verschleißerscheinungen hindeutet. Zudem ist die gesamte technische Ausstattung über 30 Jahre alt und entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz, Sicherheit und Nutzerkomfort.

Die rechtlichen Aspekte des Projekts sind ebenfalls von Bedeutung. Der BGH hat in mehreren Entscheidungen klargestellt, dass bei Renovierungsarbeiten klare Regelungen für Übergaben und Abnahmen erforderlich sind. So ist bei der Übergabe einer baulichen Anlage darauf zu achten, dass alle Schlüssel zurückgegeben werden, die Räumlichkeiten besenrein übergeben werden und die Zählerstände dokumentiert werden. Bei Schönheitsreparaturen ist zudem keine allgemeine Endrenovierungspflicht gegeben, weshalb versäumte Reparaturen nachgeholt werden müssen.

Diese rechtlichen Aspekte sind besonders relevant bei der Übergabe der neuen Anlage an die Betreiber und Nutzer des Bades. Die Kommune muss sicherstellen, dass alle baulichen und technischen Voraussetzungen erfüllt sind, um eine reibungslose Nutzung des Bades nach der Eröffnung zu gewährleisten.

Ausblick und zukünftige Nutzung

Nach der Eröffnung des neuen Bades wird das alte Azur-Bad abgerissen. Die Fläche, die dadurch frei wird, bleibt noch offen für zukünftige Nutzungsoptionen. Bürgermeister Ralf Hechler betont, dass es wichtig sei, dass der Badebetrieb im alten Azur-Bad bis zur Eröffnung des neuen Bades weiterlaufe, um eine Versorgungslücke für Schulen, Vereine und Freizeitschwimmer zu vermeiden.

Zudem ist geplant, dass das neue Bad mit moderner Ausstattung und barrierefreien Zugängen ausgestattet wird, um den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht zu werden. Der Bau des neuen Bades ist nicht nur eine Investition in die Zukunft der Region, sondern auch eine Chance, die Freizeit- und Bildungslandschaft in Ramstein-Miesenbach nachhaltig zu verändern.

Fazit

Die Sanierung des Azur-Bads in Ramstein-Miesenbach ist ein komplexes Projekt, das sich über mehrere Jahre entwickelt hat. Aus einer ursprünglichen Generalsanierung entstand schließlich ein vollständiger Neubau, der aufgrund der hohen Kosten und der finanziellen Engpässe notwendig wurde. Die neue Planung bietet jedoch eine kostengünstigere und realisierbarere Alternative, die durch die Zusage von bis zu 4 Millionen Euro an Fördermitteln aus dem rheinland-pfälzischen Innenministerium unterstützt wird.

Die Planung und Umsetzung des Projekts sind in mehreren Phasen organisiert, wobei die Kostenentwicklung, die Beteiligung von Ingenieurbüros und die Finanzierung aus Kommunen, Land und Förderverein zentraler Bestandteil der Planung sind. Zudem sind rechtliche Aspekte, wie die Übergabe der Anlage, zu beachten, um eine reibungslose Nutzung des neuen Bades nach der Eröffnung zu gewährleisten.

Mit der Eröffnung des neuen Bades im Jahr 2028 wird das Azur-Bad in Ramstein-Miesenbach in eine neue Ära treten. Es wird nicht nur als Freizeiteinrichtung dienen, sondern auch als zentrale Anlaufstelle für Bildungs- und Sportangebote in der Region. Die Sanierung ist somit nicht nur ein technisches Projekt, sondern auch ein symbolisches Signal für die Zukunftsfähigkeit der Stadt und der Region.

Quellen

  1. Treffpunkt Pfalz: Planung für Neubau eines Bades in Ramstein kann weitergehen
  2. Austrasse Zürich: Generalsanierung des Azur Bads in Ramstein-Miesenbach – Planung, Kosten und Forderung
  3. Wochenblatt Reporter: Neues Kapitel für das Azur – Verbandsgemeinde stellt Weichen
  4. SWR: Land Rheinland-Pfalz wird Sanierung des Azur-Bades in Ramstein-Miesenbach unterstützen
  5. Austrasse Zürich: Azur-Bad in Ramstein-Miesenbach – Sanierung im Wandel von Generalrenovierung zum Neubau
  6. Austrasse Zürich: Vom Sanierungsfall zum Neubau – Die Transformation des Freizeitbads Azur in Ramstein-Miesenbach
  7. Docslib: Azur eröffnet am Samstag die Freibadsaison – Sanierungsarbeiten im Außenbereich abgeschlossen

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